| Alle
Mannschaftsführer: Termin bitte vormerken |
| Am Freitag, den 19.9. um
19:00 findet in der Hasselgrundhalle eine Besprechung der
Mannschaftsführer (10 Mannschaften) zur Vorbereitung auf die
kommende Saison statt. |
August 2003
Aus der Turnierleitersitzung des
MTS-Bezirks am 30.8.2003: Turnierleiter Jürgen Claus
(Steinbach) berichtete erfreuliches über die abgelaufene Saison:
MTS-Meister und damit Aufsteiger in die Landesliga Süd wurde Hochheim,
Blitzmannschaftsmeister Hofheim, Vierer-Pokalsieger Hattersheim. In
den Bezirksligen siegten: A - Hattersheim 2, B - Steinbach 3, C -
Hochheim 2. Die Kreisklasse: A - Nauheim, B - Hofheim 6. Für die
kommende Saison sind 10 neue Mannschaften gemeldet. Steinbach (7
Mannschaften), Hofheim (9 Mannschaften) und Bad Soden (10
Mannschaften) beweisen eindrucksvolle Breitenarbeit im Schach. Alle
Spieltermine finden Sie hier im
Terminkalender.
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Schmale Lippen bei Ponomariov:
Kein Kommentar zur geplatzen Vertragsunterzeichnung. Foto: Teleschach.de |
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High Noon in Jalta: Wer gedacht
hatte, nur in der UNO, im Nah-Ost-Friedensprozess oder bei
Tarifverhandlungen gäbe es zähe politische Verhandlungen, sah sich
bald eines besseren belehrt: Der Weltschachverband FIDE mußte am 28.
August kleinlaut anerkennen, daß es auch unter Schachspielern
schwierig ist, klare Regelungen für den Wettkampf zum
Schach-Weltmeister zu finden.
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Dicke Backen bei Kasparov: kein
Vertrag um den WM-Kampf. Foto: NYT |
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Nachdem der amtierende FIDE-Weltmeister Ruslan
Ponomariov (20) mehrfach eine vereinbarte Frist zur Vertrags-Unterzeichnung
um den Wettkampf gegen den mit einer ELO-Zahl von 2830 derzeit stärksten
Spieler, Garry Kasparov, platzen liess, reagierte FIDE und zog
Konsequenzen: Der Showdown in Jalta wurde abgesagt und Ponomariov wurde
disqualifiziert. Wer jetzt glaubt, daß Ordnung in das Verfahren zur
Ermittlung des Schach-WM kommt, sollte sich an der hohen Politik
orientieren und die nächsten Schritte abwarten.
Der Linktip des Monats: Wer
trotz anhaltender Sommerhitze glaubt, die grauen Zellen würden noch
gut funktionieren, der braucht nur die Webseite des
Schachtherapeuten zu
besuchen. Spätestens dann merkt man, welchen Nutzen der Humor und die
Selbstironie haben, um nicht ganz gaga, meschugge oder was sonst noch
zu werden. Hall-of-Fame, Hall-of-Shame sind einfach Pflichtbesuche.
Im hohen Norden wurde auch Schach
gespielt. Die Leach-Family nahm in der Zeit vom 26.7. bis
1.8. am 16. Open der Kieler SG teil. Im B-Turnier sammelten Papa
Michael & Söhne wertvolle Turnierpraxis in diesem familiär
organisierten Turnier und konnten sich im B-Turnier platzieren:
- Michael Leach erzielte 3.5 Punkte in 9 Partien und landete auf
dem 29. Platz.
- Sohn Julien stand ihm nichts nach, errang ebenfalls 3.5 aus 9
und kam mit einer beachtlichen Turnierleistung von 1305 DWZ auf den
31. Platz.
- Der Jüngste im Trio, Christoph Leach, konnte leider keine Punkte
verbuchen, denn seine Gegner waren mit durchschnittlichen 1167 DWZ
doch eine etwas größere Kragenweite.
- Julien Leach gewann auch einen Bargeldpreis als Spieler mit der
höchsten DWZ-Steigerung: er verbesserte sich durch die gute
Turnierleistung von 675 um 151 DWZ-Punkte auf nunmehr 826.
Glückwunsch!
Der Tag des Herrn war nicht der Tag der
stolzen Ungarn: Chess Classic in Mainz endet mit zwei Überraschungen.
17. August 2003. Der Sonntag als Abschlusstag der Chess Classic Mainz
2003 wäre fast so schön geworden wie der ungarische Nationalfeiertag,
doch dann nahmen die Ereignisse einen anderen Verlauf.
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"Königstiger" Anand (Indien) setzt
sich gegen Judit Polgar durch. |
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Im "Duell der
Geschlechter" zwischen dem wahrscheinlich weltbesten
Schnellschachspieler Anand (Weiß) und der Ungarin Judit Polgar
(Schwarz) kam es in der siebten und vorletzten Partie mit dem
Najdorf-Sizilianer wieder zu einer häufig gesehenen kampfbetonten
Eröffnung.
Als Polgar im 18. Zug mit dem Springer Sd4 die Explosion im
Zentrum initiierte, war es der Auftakt zur Entscheidungsfindung.
Doch
dann tauschte Polgar im 23. Zug den schwarzen Springer Sc3 ab, und
irgendwie war danach die Luft raus. Anand spielte die Partie umsichtig
weiter, forcierte einen Damenabtausch und bereitete mit g4 seine
Bauernmehrheit auf dem Königsflügel vor, dort kam er letztlich zum
Durchbruch. Nach 55 Zügen gab Polgar auf, somit ging Anand mit 4:3
Punkten in Führung und benötigte letztlich nur noch ein Remis im
letzten Spiel zum Gesamtsieg.
In dieser letzten Partie ließ sich Anand mit Schwarz auf keine Experimente mehr ein, antwortete auf
Polgars e4 mit e5 und es kam in der Folge zur Ruy Lopez Eröffnung. Polgar setzte
alles auf eine Karte und wich dem Abtausch der weissfeldrigen Läufer
aus, mußte allerdings dann durch die Stellung des Läufers Lb1
eine gewisse Inaktivität der Figur und damit strategisch-positionelle Nachteile in
Kauf nehmen. Anand gewann diese Partie dann relativ sicher und
erreichte mit dem Gesamtergebnis von 5:3 Punkten den Sieg im Duell der
Geschlechter.
Bei der Siegerehrung überreichte Turnier-Organisator
Hans-Walter Schmitt das traditionelle Sieger-Jackett an Anand und
beförderte den Tiger von Madras quasi zum "Königstiger", hat er sich
doch in Mainz als Seriensieger einen Namen gemacht.
Doch der lang
anhaltende Applaus der zahlreichen Zuschauer für die Ungarin Polgar
als "Runner-up" machte die wirkliche Überraschung im 5:3 Endergebnis
deutlich: Polgar hatte mit ihrem kampfbetonten Offensivschach
erstaunliche Qualitäten bewiesen, denen Anand in drei Verlust-Partien nichts
entgegensetzen konnte und klare Niederlagen gegen die Ungarin
einstecken mußte. Gewinner waren auch die Zuschauer, denen
hochwertiges offensives
Schnellschach ohne ein einziges Remis geboten wurde.
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Peter Svidler (rechts) nimmt von
Hans-Walter Schmitt den Pokal als neuer Weltmeister im Chess960
entgegen. |
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Im Chess960-Duell zwischen Leko und Svidler stand es nach 7 Partien
ausgeglichen 3.5 zu 3.5 und in der letzten Partie mußte eine
Entscheidung fallen.
Die Auslosung ergab eine Startaufstellung mit Läufer (a1) Springer
(b1) Springer (c1) Turm (d1) Dame (e1) König (f1) Turm (g1) und Läufer
(h1).
Im Mittelspiel leistete sich Leko einen
etwas luftigen Damenausflug auf Da5, den Svidler geschickt ausnutzte,
dadurch die Initiative gewann und letztlich zu einem Sieg im
Entscheidungsspiel kam. Mit 4.5 zu 3.5 beendete der St.Petersburger
das Duell und wurde somit erster Weltmeister des neu gegründeten WNCA
(World New Chess Association) im Chess960.
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Alexander Grischuk gewinnt das
ORDIX-Open: Mit einem kühlen Pils wird der Turniersieg gefeiert. |
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Im stark besetzten Schnellschachturnier ORDIX-Open stand es bis zur
letzten Runde auf Messers Schneide. Über 18 der in den
TOP-100 der Fide-Weltrangliste kämpften in Mainz um die Punkte. Am
Ende hatte der
20-jährige Alexander Grischuk die Nase vorn.
Der auf Rang 6 der FIDE-Rangliste geführte Russe setzte sich im
letzten und entscheidenden Spiel gegen GM Agrest durch und gewann mit
9 1/2 Punkten das Turnier.
In der Sonderwertung der Senioren erreichte Dr. Friedrich Bittner
vom Schachclub Bad Soden den 2. Platz vor IM Anatoli Donchenko vom
hessischen Schachverein Zeitnot Hungen-Lich.
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Nestor Dr. Friedrich Bittner (Mitte)
vor IM Donchenko (rechts) |
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Erbarmen - zu spät! - Die Ungarn kommen. (16.
August 2003) Fast
erinnert die Teilnehmerliste der diesjährigen Chess Classic in Mainz
an den Rock-Song der Rodgau Monotones - spielen doch zwei Ungarn eine
dominante Rolle in den diesjährigen Schach-Duellen. Ladies first:
Judit Polgar tritt im Duell der Geschlechter gegen keinen geringeren
als Viswanathan Anand an und Peter Leko kämpft um die
Weltmeisterschaft im Chess960 gegen den Russen Peter Svidler aus St.
Petersburg.
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Im Wettsreit der KuK-Donaumetropolen:
Die Kettenbrücke in Budapest mit dem Parlamentsgebäude im
Hintergrund. |
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Nicht erst seit heute haben sich die Ungarn durch herausragende
Leistungen auf verschiedenen Gebieten ausgezeichnet. In den Zeiten der
K.u.K-Monarchie standen sie im kreativen Wettbewerb mit Wien und
wollten im Städtebau und der Architektur die schönste der
Donaumetropolen sein. Die legendäre ungarische Fußball-Nationalmannschaft in den
frühen 1950er Jahren mit
Ferenc Puskas, Jozsef Boszik und Sandor Kocsis führte die Magie der
Magyaren vor. Bei zahlreichen olympischen Spielen zeigte sich, wie sehr der Nationalstolz als treibende
Kraft zu sportlichen Spitzenleistungen. Auch im
mathematisch-wissenschaftlichen Bereich leisteten Bewohner von
Budapest erstaunliches: Der 1903 in Budapest geborene Janocz Neumann,
besser bekannt unter seinem amerikanisierten Namen John von Neumann,
gilt als Begründer der kybernetischen Spieltheorie und formulierte
Begriffe wie "endliches Zweipersonen-Nullsummenspiel mit
antagonistischen Spieler-Interessen", für Schachspieler durchaus
eine nachvollziehbare Definition. Andere Schüler des Budapesti Evangelikus Gimnazium, ganz in
der Nähe des Heldenplatzes und Gundelparks gelegen, gingen als
Nobelpreisträger in den Olymp der Wissenschaften ein: Nobelpreisträger
Jenó Wigner arbeitete als Physiker mit dem legendären Albert E. (der
mit der herausgestreckten Zunge) und Janósz Harsanyi bekam 1994 den
Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften verliehen.
Judit Polgar, zusammen mit ihren älteren Schwestern Zsuzsa und
Sophia, wirbelte schon früh die Schachwelt durcheinander: Judit wurde
vor Bobby Fischer zum jüngsten Großmeister geehrt und spielt heute
konsequenterweise nur in Männer-Turnieren, um jeweils gegen die besten
Schachspieler anzutreten. Der Erfolg dieser konsequenten Linie gibt
ihr Recht: Mit einer Elo-Zahl von 2718 steht sie auf der
Herren-Weltrangliste auf Platz 11.
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Peter Leko, Gewinner des Super-GM
Turniers in Linares, will auch in Mainz die WM im Chess960 gewinnen. |
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Peter Leko, Jahrgang 1979, ist ein Superprofi unter den Großmeistern. In seinem
Trainingsstab sind GM Artur Jussupow, zurzeit mit 2583 Elo-Punkten auf
Platz 5 in Deutschland, der
Kubaner
Amador Rodriguez und Schwiegervater GM Arshak Petrosjan, mit einem
Elo-Rating von 2470 auf Platz 15 in Armenien, sowie Manager Carsten
Hensel aus Deutschland.
Im
Weltmeister-Duell Chess960 zwischen Leko und Svidler steht es nach 6
Partien mittlerweile ausgeglichen 3:3, Leko konnte seine Führung vom
Freitag (15. August) nicht verteidigen, denn Svidler gewann seine
letzte Samstagspartie nach Aufgabe von Leko im 54. Zug und erreichte
den Gleichstand nach Punkten.

Abbildung: Elo Ranking Top-Spieler. *)Teilnehmer Chess Classic Mainz
Turnier-Organisator Hans-Walter Schmitt bewies bei der Auswahl der
Teilnehmer wieder einmal ein glückliches Händchen, konnte er doch die
Nummer 3, 4, 8 und 11 der derzeitigen Weltrangliste nach Mainz
verpflichten. Und die Dramaturgie
des Spielverlaufs könnte einem Hitchcock-Thriller entnommen sein. Im
"Duell der Geschlechter" zeigten Polgar und Anand, wie man
im Spitzenschach auf konsequenten Sieg spielen kann - noch kein einziges Remis wurde
vereinbart. Im Spiel 5 wählte Anand wiederum die sizilianische Najdorf
Verteidigung - doch mit 17. Sd5 ließ Polgar die Position mit einem
Figuren-Opfer explodieren. Die ganze Sache war für Anand doch
etwas undurchsichtig und er schickte überraschenderweise seine Dame
mit 18. ... Df2 auf Wanderschaft hinter die offenen weißen Linien.
Polgar ließ sich die Einladung zur Fuchsjagd nicht entgehen, bedrohte
mit 24. Tg1 die schwarze Dame und Anand mußte im 25. Zug schweren
Herzens seine Dame opfern. Nach dem 27. Zug hatte auch er ein Einsehen
und gab sich geschlagen.
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Schnelldenker Anand mit Sieg und
Niederlage gegen Judit Polgar: Parallelen zu Schubert's
Streichquartett Nr. 14 "Der Tod und das Mädchen"? |
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In der
darauffolgenden sechsten Partie drehte Anand jedoch geschickt den Spies
um. Wiederum wurde der Najdorf-Sizilianer als Schlachtfeld gewählt,
doch Polgar geriet nach dem 25. Zug schon mit 12 Minuten in
Zeitrückstand - ein Zeichen der speziellen Partievorbereitung von
Anand? Mit feinem positionellen Spiel wehrte Anand einen gefährlich
erscheinenden Angriff auf den lang rochierten König ab.
Nachdem Judit
Polgar keine durchschlagenden Angriffsmöglichkeiten besaß, konnte Anand seine Positionsvorteile am Königsflügel - gepaart mit einem
beruhigenden Zeitpolster - ausnutzen und Polgar gab sich im 60. Zug
geschlagen. Zwischenstand 3:3.
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Nichts geht mehr in Peter Svidler's Geburtsstadt St.
Petersburg für den Autoverkehr, wenn nachts
die Zugbrücken hochgefahren werden und der Schiffsverkehr Vorfahrt
hat. |
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Die Lösung der technischen
Herausforderungen. (15. August 2003) Die russische Metropole St. Petersburg
wird Dank ihrer Lage am Fluss Neva nicht umsonst das "Venedig des
Nordens" genannt. 533 Brücken verbinden die Stadtteile über
Flußarme und Kanäle hinweg. Aufgrund ihrer flachen Lage am Golf
von Finnland mußten die Brücken-Konstrukteure jedoch Herausforderungen
lösen und einen Kompromiß zwischen dem regen Schiffsverkehr und dem Straßenverkehr
finden.
Die Lösung war einfach und genial: Die wichtigsten Brücken wurden als
Zugbrücken konstruiert, und nach Mitternacht zwischen 1:55 und 4:55
werden diese hochgezogen, um die großen Schiffe passieren zu lassen.
Da kann es schon mal vorkommen, daß Nachtschwärmer auf dem Rückweg
von der Party plötzlich eine Pause einlegen müssen. Doch irgend ein
Weggenosse hat immer eine Flasche Wodka dabei und dann wird halt eine
Brückenparty improvisiert.
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"Nichts ging mehr..." Peter Svidler
(links)
erklärt Kommentator GM Eric Lobron (rechts) in der Spielpause sein
Dritt-Runden Remis. |
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Ganz andere technische Herausforderungen
mußte der gebürtige Sankt Petersburger Peter Svidler bei den Chess
Classic in Mainz in seinem Wettkampf um die
Chess960-Weltmeisterschaft meistern.
Während im klassischen Schach
die ausgetretenen Pfade der Theorie für Routine-Eröffnungen
sorgen, geht es im Chess960 oft schon vor dem ersten Zug ums
Eingemachte. Weil die Anfangsposition der Figuren kurz vor
Partie-Beginn ausgelost werden, können die Spieler vor schwierige
technische Herausforderungen gestellt werden.
In der 3. Partie
zwischen Leko und Svidler ergab das Los eine spiegelbildliche
Aufstellung mit der Dame auf a1 bzw. a8 und einem Turm auf h1
bzw. h8. Ganz raffiniert eröffnete Weiß die Partie mit b2-b3, und
Schwarz mußte den sofort drohenden Turm-Verlust natürlich mit f7-f6
verteidigen. So war schon beim ersten Zug für überraschende Spannung
gesorgt. Im dritten Spiel gab es das dritte Remis, doch im Spiel 4
konnte Peter Leko mit gutem Positionsspiel überzeugen und zwang
Svidler im 61. Zug zur Aufgabe. So konnte Leko als Vierter der
Weltrangliste im klassischen Schach erstmals mit 2.5 zu 1.5 Punkten in
Führung gehen.
Im Duell der Geschlechter
zwischen Viswanathan Anand und Judit Polgar weigert sich die ungarische
Großmeisterin hartnäckig, klein beizugeben.
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Najdorf forever? Beide Kontrahenten
punkteten mit Schwarz |
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Den Zuschauern wurde in
den 25-Minuten Schnellpartien kämpferisches Schach geboten, denn beide
Kontrahenten spielten bisher gnadenlos auf Gewinn. In den beiden
Freitags-Partien am 15. August wurde die Theorie eindrucksvoll bestätigt: Beide
wählten mit Schwarz die sizilianische Verteidigung in der Najdorf-Variante, und beide Male konnte der Spieler mit den schwarzen
Figuren das Brett als Sieger verlassen. Polgar profitierte bei ihrem
Sieg von einem unerwarteten Anand-Lapsus, als er seine beiden
Türme so präzise aufs Brett stellte, daß Polgar mit ihrem Läuferzug
Lc5 die Qualität und später die Partie gewann. Bei einem
Zwischenstand von 2:2 Punkten ist für den weiteren Verlauf für
Hochspannung gesorgt.
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Warten auf Godot: Judit Polgar musste
nicht lange auf Anand warten, doch dann servierte sie dem "Tiger von
Madras" gleich eine Überraschung und ging mit 1:0 in Führung. |
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Mainz wie es denkt und lacht...
(14. August 2003) Bei dem diesjährigen Chess Classic in Mainz gab es zur
Auftaktrunde eine gelungene Arbeitsteilung: Die Denker waren die
Spitzenspieler Anand, Polgar, Leko und Svidler, die sich in den
Duellen gegenüber standen, eine etwas bedenkliche Miene macht
Turnier-Manager Hans-Walter Schmitt und die Zuschauer lachten, denn
sie kamen angesichts der Spitzenspieler voll auf ihre Kosten. Judit
Polgar überraschte Anand im ersten Spiel, obwohl sie zeitweise mit
über 8 Minuten in der Schnellschachpartie zurücklag, eine wahre
Ewigkeit. Doch das Denken lohnte sich, denn im Endspiel mußte Anand
schließlich aufgeben.
Im anschließenden zweiten Match wählte Polgar
mit Schwarz überraschenderweise die Petroff-Verteidigung, doch Anand
ließ sich davon nicht beirren und konnte zum 1:1 Zwischenstand
ausgleichen.
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Turnier-Direktor Hans-Walter Schmitt (Mitte)
zeigt bedenkliche Miene vor dem Weltmeisterkampf zwischen Leko und
Svidler: Er hofft inbrünstig, dass Peter Leko eine bessere Leistung
bringt als vor wenigen Tagen zuvor in Dortmund |
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Im Kampf um die Chess960-Weltmeisterschaft zwischen Peter Leko und
Peter Svidler trennten sich die Kontrahenten im Auftaktmatch Remis.
In der
zweiten Partie mußte Leko die Trickkiste auspacken, denn mit nur noch
sieben Sekunden auf der Uhr schaffte er es gerade noch zum Remis und
dem Zwischenstand von 1:1.
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Dr. Viorel Bologan,
Moldawien |
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Dr. Schach zeigt der Weltspitze, wo es
lang geht...
Einem kleinen Erdbeben gleich kommt das Endergebnis des Dortmund Chess
Meeting 2003: Dr. Viorel Bologan besiegte die in Dortmund nahezu
vollständig versammelte Weltelite mit einem gesamten Punkt Vorsprung
vor Kramnik und Anand und sicherte sich so den ersten Platz in diesem
prestigeträchtigen Turnier. Titelverteidiger Peter Leko (Ungarn) hatte
eine rabenschwarze Turnierwoche und endete ohne einen Sieg auf Platz
5. Kramnik und Anand belegten nach einem schwachen Start noch die
Plätze 2 und 3.
Eigentlich hatte das Dortmunder Turnier andere
Erwartungen geknüpft: Peter Leko, die Nummer 4 der Weltrangliste und
Titelverteidiger kämpft gegen Weltmeister Kramnik und Vizeweltmeister
Anand um den Turniersieg, der deutsche Nachwuchsspieler Naiditsch
sollte Turnierluft bei den Grossen schnuppern und Bologan und der
16jährige Radjobow waren eher als Mitläufer erwartet worden.

Doch dann kam alles anderst als erwartet: Bologan spielte eine
glänzende Hinrunde, Naiditsch besiegte Radjabow und remisierte gegen
Kramnik und Leko - und die Tabelle nahm ein ungewohntes Bild an.
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Rang |
Name |
Endergebnis nach 10 Runden
Punkte |
| 1 |
Bologan (Moldavien) |
6,5 |
| 2 |
Kramnik (Russland) |
5,5 |
| 3 |
Anand (Indien) |
5,5 |
| 4 |
Radjabov (Aserbeidschan) |
5,0 |
| 5 |
Leko (Ungarn) |
4,0 |
| 6 |
Naiditsch (Deutschland) |
3,5 |
Am
Ende behielt Bologan die Nerven und die Turnierführung und reihte sich
nach den Gewinnen im Ordix-Open in Mainz (2002) und beim Aeroflot-Open in Moskau
(2003) als Sieger eines Superturniers ein. Der 31jährige Moldawier war
nicht nur in der Praxis am Brett der Beste, er wußte ja auch bestens Bescheid
über die
Theorie der Turniervorbereitung: Im Mai 1996 promovierte er in Moskau
als Sportwissenschafter mit dem Titel "Die Struktur der spezifischen
Vorbereitung von Spitzen-Schachspielern".
Wie die Posaunen von Jericho:
Fast könnte die biblische Symbolik herangezogen werden, um zu
erklären, wie in einer Schachpartie bei hoffnungslosem
Material-Nachteil dank präzisem Positionsspiel ein Unentschieden
erreicht werden kann.
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Peter Leko, der Titelverteidiger des Dortmunder
Chess-Meeting und immerhin Nummer 4 der aktuellen Weltrangliste (ELO
2739) erarbeitete sich einen fulminanten Materialvorteil im Endspiel
heraus: ein isolierter Flügelbauer und eine 3-1-Bauernmajorität am
Königsflügel sowie Dame und Läufer standen gegen Radjobow's Dame,
Läufer und einzigem g-Bauern gegenüber und Leko drohte auch noch, im
nächsten Zug Matt zu setzen. Doch dann brachte Radjobow mit seinem
Läuferzug das Feld f6 zum Brennen: (1) Sein Läufer auf f6 verhinderte
unmittelbar die Mattdrohung von Leko, (2) der gleiche Läufer auf f6
unterstützte nun ein einzügiges Matt gegen Leko, (3) um sein eigenes
Matt zu verhindern, musste Leko den Läufer auf f6 schlagen - deshalb
war (4) das Läuferopfer auf f6 auch die Grundlage, dass Radjobow durch
Zugwiederholung ein Remis erzwingen konnte - eine reiche Ausbeute
eines einzigen Zuges.
>>> hier
Partie nachspielen
Hoppla, das war nicht so geplant:
Beim
Dortmunder Sparkassen Chess-Meeting 2003 gab es in der zweiten
Runde einige "unerwartete" Ergebnisse: Der 16-jährige Teimour
Radjabow aus Aserbaidschan besiegte den Weltranglisten-Dritten
Viswanathan Anand aus Indien nach 39 Zügen sensationell mit den
schwarzen Steinen und der 17-jährige Lokalmatador Arkadij Naiditsch
(SF Brakel, ELO 2574) erreichte ein Remis nach 45 Zügen gegen
Titelverteidiger und Nummer 4 der Weltrangliste Peter Leko (ELO
2739) aus Ungarn.
Pokalturnier "Goldener Springer":
Der Hessische Schachverband ermittelt in seinem traditionellen
Pokalturnier "Goldener Springer" die beiden Qualifikanten für die
Teilnahme an der Deutschen Pokal- Einzelmeisterschaft. Der Pokalsieger
ist außerdem startberechtigt im kommenden Hessischen Meisterturnier,
der Unterlegene im Meistervorturnier.
An den 7 Runden dieses KO- Wettbewerbes können Spieler mit aktiver
Spielberechtigung bei einem Verein des Hessischen Schachverbandes
teilnehmen.
Alle Spieler müssen vor Beginn der 1.Runde ihre Teilnahme angemeldet
haben, das Startgeld in Höhe von 5 Euro wird vor Ort kassiert. Der
Titelverteidiger und Titelträger sind grundsätzlich startgeldfrei.
Am jeweils ersten Samstag in den Monaten September, Oktober, November
und Dezember werden beginnend um 10 Uhr die ersten 4 Runden an
dezentralen Veranstaltungsorten ausgetragen. Zu den drei Finalrunden,
Viertelfinale, Halbfinale und Finale werden die verbliebenen acht
Spieler für den 21. und 22.Februar 2004 zu einem gemeinsamen
Wochenende an einen zentralen Spielort eingeladen.
Die Bedenkzeit beträgt 2 Stunden für 40 Züge, danach zusätzlich 15
min. für den Rest der Partie. Bei Remis entscheidet eine
Schnellpartie, danach eventuell das Los über das Weiterkommen.
Der Pokalsieger gewinnt 200 Euro, erhält sein Startgeld erstattet, und
neben den bereits erwähnten Qualifikationen auch eine Urkunde und eine
Nadel. Alle Viertelfinalisten haben ein Preisgeld von 50 Euro sicher,
wer das Halbfinale erreicht, hat 100, die beiden Endspielgegner haben
jeweils 150 Euro sicher.
>>>Details
New Kid on the Block:
Der Deutsche
Schachbund hat die Nominierungen für die kommenden
Jugendweltmeisterschaften der U10 bis U18 Altersklassen bekanntgegeben.
Erfreulicherweise ist auch ein nicht ganz unbekannter
Nachwuchsspieler vom Nachbarverein SC 1910 Höchst dabei: Julian Geske
(Jahrgang 1992) tritt bei den U12 an. Zuletzt war Geske im
MTS-Vierer-Pokal aktiv, dann hat er die Deutsche
U12-Einzelmeisterschaften in Willingen gewonnen. Er gewann dort 9 von
11 Punkten und zauberte eine Leistung von 1977 DWZ aufs Brett. Er rangiert mit einer
aktuellen DWZ von 1850 im SC 1910 Höchst an elfter Stelle der Vereins-Rangliste.
Juli 2003
Sommerpause:
Die Hasselgrundhalle ist in der Sommerpause vom 1.-29. August
nicht geöffnet. Deshalb findet auch in dieser Zeit kein Jugend- oder
Erwachsenen-Spielabend statt. Erst am 5.9. geht es wieder mit dem
Jugendtraining um 18:00 Uhr in der Hasselgrundhalle weiter. Erwachsene
treffen sich im August zum geselligen Schachspiel ab 20:00 Uhr im
"La Cucina" Restaurant im Garten (Ecke Allee- und
Gartenstrasse).
Schachclub Bad Soden erfolgreich bei
Karl-Mala-Gedenkturnier. Drei Mitglieder des Schachclubs
Bad Soden haben erfolgreich am VII. Karl-Mala-Gedenkturnier der
Schach-Gesellschaft Griesheim am vergangenen Wochenende (24.-27.Juli
2003) teilgenommen. Der auf Platz 204 gesetzte Robert Ackermann
erreichte Stand 192, der auf 201 plazierte Gerhard Kenk kam auf
Rang 184 und Kurt Fredershausen von Platz 213 auf 168. Die drei
Sodener konnten durch ihr gutes Abschneiden auch ihre DWZ-Zahlen
deutlich verbessern.
Insgesamt waren
233 Schachspieler aus ganz Deutschland angetreten, darunter auch
acht IMs (Internationale Meister) oder FMs (FIDE-Meister). Die
Teilnehmer brachten eine bemerkenswert hohe durchschnittliche DWZ
(Deutsche Wertungszahl) in Höhe von 1.764 mit. Den ersten Platz
erreichte IM Anatoli Donchenko vom Schachclub Hungen-Lich.
Der Wettkampf im
Bürgerhaus Frankfurt-Griesheim begann am späten Donnerstag Nachmittag
mit dem ersten Durchlauf und setzte sich an den drei darauffolgenden
Tagen mit je einer Runde vormittags sowie nachmittags fort. Das
Turnier wurde bereits zum siebten Mal zu Ehren von Karl Mala
veranstaltet, einem Mitbegründer und Förderer des vormaligen
"Schachverein 1934 Frankfurt/Griesheim." (HF / BSZ)
Die neuesten DWZ-Zahlen sind seit 15. Juli
verfügbar:
Benjamin Felmy verbessert sich kontinuierlich und hat jetzt seine
Wertungszahl auf 2090 hochgeschraubt. Daniel Großjohann gelang wieder
mit 1803 der Sprung über die 1800er Marke. In der Familienwertung
liegt Michael Leach mit 1314 vor seinen Söhnen Christoph mit 860 und
Julien mit 675. Philip Mackovic erreichte mit guten 1045 seine erste
DWZ Wertung. Insgesamt haben nun 45 Spieler eine Wertungszahl, 23
weitere Spieler stehen mit Restpartien auf der Warteliste.
Neue vorläufige DWZ-Zahlen:
Nach der Auswertung der 4er-Pokal-Runde gibt es für die in diesem
Wettbewerb eingesetzten Spieler neue Leistungszahlen.
| Spieler |
DWZ-Punkte |
| Felmy |
2090 |
| Rödiger |
1956 |
| Dr. Bittner |
1939 |
| Dr. Philipp |
1934 |
| Großjohann |
1803 |
| Dietz |
1798 |
| Götting |
1678 |
| Sauerteig |
1533 |
| Ochs |
1593 |
| Smith-Meyer |
1568 |
| Meyer, Stefan |
1338 |
| Leach, Michael |
1263 |
| Schäfer, Rudi |
1271 |
| Hertsch, Jürgen |
1206 |
| Merz-Zönnchen |
1195 |
| Fredershausen |
1180 |
| Kuhlmann |
1122 |
| Knies |
1092 |
| Schmakowski |
1085 |
| Kapellusch |
1015 |
| Hoss |
895 |
| Borzaga |
809 |
| Thieme |
807 |
| Hertsch, Andreas |
791 |
| Frank, Geerti |
733 |
| Markert |
725 |
Für die Sommermonate etwas leichte Kost und eine
kurze Partie:
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| Rocky Marciano (rechts):
Box-Weltmeister im Schwergewicht kämpft trotz blutender Wunde |
|
Bei den Schwergewichtsboxern kann es schon mal vorkommen, dass
einer der Kontrahenten schon in der ersten Runde K.O. geschlagen wird.
Dieses Kunststück brachte die italienische Box-Legende Rocky Marciano
in 12 Kämpfen fertig. Nach 49 Siegen im Schwergeschicht, davon 43 durch KO,
trat er ungeschlagen zurück.
Einige Jahrzente später verstand es Cassius Clay alias Muhammed Ali,
seinen verbalen Anspruch "I am the Greatest" auch boxerisch in die Tat
umzusetzen. Sehr zum Leidwesen seiner Gegner kündigte er auch schon
vorher die Runde seines Sieges an - und machte das auch wahr.
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| Muhammed Ali: "I am the
Greatest" |
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Im Schach sind
solche Ankündigungen ("Ich setze Sie im 57. Zug auf h8 matt")
nicht üblich,
doch es gab beim Kampf auf den 64 Quadraten immer wieder Egozentriker
und Primadonnen, die die hohe Kunst des Schachspiels mit einer
gehörigen Portion Egomanie anreicherten.
Gut bekannt sind noch die psychologischen Tricks, die Bobby Fischer
im WM-Kampf 1972 gegen Boris Spassky in Reykjavik anwandte und einfach
zu spät zum angesetzten WM-Spiel erschien - und natürlich die Partie
kampflos verlor. Doch auch ein Bobby Fischer war nicht der erste, der
solche Marotten hatte.
Schon Aaron Nimzowitsch griff tief in die Trickkiste seiner damals
neuartigen Schachtheorie und war auch ein Freund der psychologischen
Kriegskunst, um seinen Gegner einzuschüchtern und zu provozieren.
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| Aaron Nimzowitch
(1886-1935): Provokateur und Enfant Terrible |
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Bei einem Turnier 1910 in Hamburg sollte Nimzowitsch gegen Walter
John antreten. Nimzowitsch kam 45 Minuten zu spät, John hatte schon seinen
ersten Zug gemacht und brauchte nur noch 15 Minuten länger warten,
bevor sein Gegner kampflos verlieren würde. "Als aber Nimzowitsch
schließlich doch erschien - fünfzehn Minuten vor Ablauf der Konumazierungsfrist - ließ er durchaus nicht den Eindruck entstehen,
dass er sich nun irgendwie zu beeilen habe. Anstatt sich zum Brett zu
setzen, tat er wieder so, als ob er ein brennendes Interesse für die
Ölmalereien an der Wand empfinge.
Er schritt von einem Bild zum andern und prüfte jedes sorgfältig,
obwohl er schon zwei Wochen lang täglich auf sie geblickt hatte. John
merkte alsbald, dass Nimzowitsch irgendwas im Schilde führe und wurde
rot vor Zorn über die verachtungsvolle Nonchalance, mit der
Nimzowitsch Spiel und Gegner behandelte. Endlich kam Nimzowitsch zum
Brett, machte seinen Zug, ohne sich niederzusetzen, und ging sofort
wieder fort, um sich weiterhin in das Studium der Gemälde zu
vertiefen. Dies wiederholte sich bis zum 16. Zug, und Nimzowitsch
verbrauchte ostentativ dafür nicht mehr als fünf Minuten. Im 17. Zug
bot er ein feines Bauernopfer an und gewann neun Züge später die
Qualität. John hätte ruhig aufgeben können. Aber er war so wütend, dass
er justament 82 Züge lang weiterspielte, bevor er endlich
kapitulierte.
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| Raoul Capablanca.
Schachweltmeister und Botschafter seines Landes |
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Am nächsten Morgen schickte er zu Nimzowitsch - zwei Sekundanten,
die eine Duellforderung überbrachten. Nimzowitsch lachte die zwei
Herren nur aus und erklärte ihnen, er sei zu einem Duell bereit, aber
bloß zu einem mit den Fäusten. Er wies auf seine Muskeln und riet den
Herren, John zu warnen. Damit war die Duellgeschichte in
Lächerlichkeit erstickt." (Eduard Lasker: Chess Secrets (Seite 104).
Der kubanische Weltmeister Raoul Capablanca besaß in seiner
Heimat Kult- und Helden-Status. 1913 bekam er eine Stelle im
kubanischen Außenministerium und wurde mit dem Titel "Ambassador
Extraordinary Plenipotentiary General" ausgestattet.
Der einzige Zweck
war, dass Capablanca ungestört durch die Welt reisen und an
Schachturnieren teilnehmen konnte. Doch auch er war von Egomanie
nicht ganz frei. Als er im Turnier von Havanna 1913 gegen Frank
Marshall in eine schwierige Position gelang, rief er den Bürgermeister
von Havanna zu sich und verlangte, dass alle Zuschauer den Turniersaal
verlassen musste.
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| Siegbert Tarrasch
(1862-1934): Zuviel Schmach gegen Bogoljubow |
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Erst als die Räumung vollzogen war, schüttelte er dem Gegner zum
Zeichen seiner Aufgabe die Hand - er wollte bei seiner
demoralisierenden Niederlage einfach nicht so viel Zuschauer dabei
haben.
Wie sich der große Siegfried Tarrasch 1920 in Göteburg fühlte, als
er quasi schon in der ersten Runde technisch K.O. ging, ist nicht
überliefert.
Was bekannt ist, dass Efim Bogoljubow in einer Damenindischen
Eröffnung schon im 9. Zug den Gewinn eines Läufers feiern konnte. Das
war zuviel Schmach für Tarrasch und er gab sichtlich entnervt auf.
Wie
dies kam, können Sie hier
nachspielen.
Während der Sommerferien bleibt die
Hasselgrundhalle geöffnet und der normale Spielbetrieb freitags wird
durchgeführt. Theorie-Training: Zwei Monate Sommerpause, dann ist am 12.
September wieder Training um 19:00 Uhr. Für die Zwischenzeit gibt's Lesestoff und
Hausaufgaben. Die Empfehlungen des Trainers:
- John Nunn : Schach verstehen - Zug um Zug
(gefällt mir ausgezeichnet)
- John Nunn : Geheimnisse des Großmeisterschachs (anspruchsvoller
als #1, aber längst ein Klassiker)
- Max Euwe/Walter Meiden : Amateur wird Meister (vielleicht
sogar geeignet für DWZ <1000)
-
Max Euwe/Walter Meiden : Meister gegen Meister
(Spielniveau der Partien ist gehobener als in 3),
möglicherweise erhältlich ist auch noch "Meister gegen
Amateur" von den selben Autoren, das ich häufiger im
Training verwendet habe, und im Niveau der Partien gewissermaßen
noch vor #3) kommt.)
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Mark Dvoretzki :
Die Endspieluniversität
(ganz neu und sehr gut. Wie der Name schon sagt, es geht
hier um das Endspiel, das nicht nur bei uns zu oft vernachlässigt
wird).
Bezugsquellen: Schachbuchhändler, Versandhandel Niggemann,
bei www.amazon.de oder
Beyer-Verlag
www.derschachladen.de