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Pressestimmen: "Bad Sodener Echo" vom 24. September 2004:
| "25 Jahre
Schachclub Bad Soden" Rückblick auf die
Jubiläumsveranstaltung am 10. und 11. September 2004
Bei der Pressekonferenz begrüßte Mitveranstalter Hans Walter
Schmitt die Gäste Norbert Altenkamp, Bürgermeister der Stadt Bad
Soden, Hans Dieter Post als Vertreter des Hessischen
Schachverbandes, Dr. Wolfgang Gordon (Hofheim) als Vertreter der
Main Taunus Schachvereinigung (MTS) und die anwesenden Vertreter
der Presse.
Er stelle den Initiator der Clubgründung vor 25 Jahren Rudolf
Fellner, den jetzigen Clubvorsitzenden Roland Bettenbühl und
natürlich den Hauptakteur der Veranstaltung Großmeister Artur
Jusspow vor. Er machte darauf aufmerksam, daß die erste
Schach-Großveranstaltung des Main-Taunus-Raums, nämlich ein
Turnier, an dem die zehn besten Spieler der damaligen Weltrangliste teilnahmen, vor einigen Jahren in Bad Soden stattfand - und dass
auch jetzt ein Kapitelchen der Schachgeschichte in Bad Soden
geschrieben worden ist, durch die Einbeziehung einer neuen
Variante des Schachspiels in eine Simultanveranstaltung ("Schach
960", von Robert Fischer vorgeschlagen).
Bürgermeister Altenkamp "hätte es nicht für möglich gehalten, dass
ausgerechnet ein Schachclub der am schnellsten expandierende
Verein Bad Sodens sei". Er wünschte dem Schachclub weiterhin
Erfolg, besonders bei der Förderung der Jugendlichen. Die
Veranstaltung selbst hatte zwei Teile: Zuerst demonstrierte A.
Jussupow, welch ein hervorragender Schachtrainer er ist, wobei
sein Trainingsvortrag schon recht ansehnliches Schachverständnis
bei den Zuhörern voraussetzte.
Dann begann sein Simultankampf gegen 35 Gegner, von denen immerhin
zehn sich entschlossen, im "Fischerschach" gegen ihn anzutreten.
Von diesen konnte nur H.D. Post ein Remis erreichen. Von den "konservativen"
25 erreichten immerhin sechs ein Unentschieden: (Fünf in
alphabetischer Reihenfolge) R. Ackermann, F. Bittner, R. Fellner,
K. Fredershausen, T. Rödiger und - besonders hervorzuheben - der
zehnjährige Julien Leach.
25 Jahre Schachclub Bad Soden
Der Schachclub Bad Soden wurde am 22. Juni1979 von 16
Schachbegeisterten gegründet. Initiator der Vereinsgründung war
Rudolf Fellner. Er wurde der erste 1. Vorsitzende und war mehrere
Jahre lang Spitzenspieler der 1. Mannschaft.
Der Club entwickelte sich schnell. Er veranstaltete 1981 eine
Simultanvorstellung des russischen Großmeisters Salo Flohr, durde
bekannter und hatte schon 1983 33 Mitglieder. Die erste Mannschaft
stieg bis 1984 um mehrere Klassenstufen in die damalige
Unterverbandsklasse A auf (Heute heißt dieser damalige
Unterverband des Hessischen Schachverbandes "Bezirk 7", dessen
Grenzen so weit voneinander entfernte Orte wie Groß Gerau,
Rüsselsheim, Eppstein, Königstein und Steinbach markieren).
1987 war der Verein in der Lage, die Hessischen
Schachmeisterschaften mit circa 400 Teilnehmern erfolgreich zu
organisieren. Infolge der damit verbundenen Publizität stieg die
Mitgliederzahl vorübergehend auf 40 an. Bis zum Jahr 2000 pendelte
dann die Mitgliederzahl um 35.
In all den Jahren blieb die 1. Mannschaft in der
Unterverbandsklasse A. Dann wurde sie in die neu gegründete Main
Taunus (MTS) Liga aufgenommen, die höchste Klasse im Bezirk 7.
Dort spielte sie bisher mit wechselndem Erfolg und schrammte
2003/2004 nur haarscharf am Aufstieg in die Landesliga vorbei.
Ab 2000 verstärkte der Verein unter dem sehr engagierten
Clubvorsitzenden Roland Bettenbühl seine Werbung in der
Öffentlichkeit, vor allem an den Schulen, durch Präsentation bei
Neubürgerempfängen, mit Plakaten, Zeitungsmeldungen und der
bemerkenswerten Internetseite (www.schachclub-badsoden.de).
Seitdem hat sich die Zahl der Clubmitglieder auf heute 119
verdreifacht. Damit ist der SC Bad Soden einer der
mitgliederstärksten Schachvereine in Hessen. Das gemeinsame Hobby
hat Menschen der verschiedensten Ursprungsnationalitäten und aller
Altersgruppen (rund 60 Prozent sind Jugendliche unter 18) im
Schachclub zusammengeführt. Nur das weibliche Element ist leider
zahlenmäßig (nur zehn weibliche Mitglieder) noch etwas schwach
vertreten.
Bei den Verbands-Mannschaftskämpfen stellte der Club früher
zwei, heute zehn Mannschaften, so dass an jedem Verbands-Spieltag
59 Clubmitglieder Turnierpartien spielen.
In Einzelturnieren war der "Nestor" Dr. Friedrich Bittner (78)
in seinem langen Schachleben am erfolgreichsten. Aber der als
Jugendlicher 1987 dem Club beigetretene Benjamin Felmy hat ihn im
"Rating" inzwischen deutlich überflügelt, war schon dreimal
Clubmeister und zweimal Stadtmeister von Steinbach.
Ein aussichtsreiches Nachwuchstalent ist der zehnjährige Julien
Leach, der bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in seiner
Altersklasse immerhin 50 Prozent erreichte und schon in mehreren
Jugendturnieren sehr gut abgeschnitten hat.
Unter den zahlreichen Jugendlichen des Schachclubs Bad Soden
sind sicher noch weitere Talente verborgen, so dass der Club bei
weiter anhaltender intensiver Jugendarbeit keine Zukunftssorgen
haben muss. Die Entwicklung des Schachclub Bad Soden zeigt, dass
man auch in unserer angeblich so materialistischen zeit durch
geeignete Ansprache eine große Zahl Jugendlicher (und deren
Eltern) für eine "brotlose Kunst" wie das Schachspiel
interessieren kann, ein Spiel, bei dem nicht (nur) ein Computer,
sondern ein Mensch Gegner und Partner ist, der noch nicht einmal
die gleiche Sprache sprechen muss. (RB) |
Ein Gastbeitrag von Daniela
Klotz.
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Ein Damenopfer im
Bärenzwinger
... oder wie eine
Schach-Novizin das Simultan mit dem „Russischen Bären“ GM Artur
Jussupow erlebte
Am
Vorabend der Simultanturniers sah ich Großmeister (GM) Artur
Jussupow das erste Mal bei seinem „Intensivtraining“: groß, recht
kräftig, längeres Haar und Rauschebart, tiefe Stimme mit angenehmem,
russischem Akzent.
Seine Beispiele zu
verschiedenen Konstellationen waren interessant, abwechslungs- und
lehrreich. Schnell und präzise ging er auf Fragen und Vorschläge des
Publikums ein. Zum Teil war ich gnadenlos überfordert und konnte
bereits deutlich erahnen, was da am nächsten Tag auf mich zukommen
würde. Nicht, dass ich mir als Novizin im Schachclub Bad Soden, die
in ihrer Kindheit das letzte Mal einem Schachclub angehört hatte, in
irgendeiner Weise Hoffnungen auf ein Remis geschweige denn einen
Sieg gemacht hätte. Aber nun verließ mich der Mut völlig. Zumal ich
von den ganzen theoretisch-strategischen Zugkombinationen –
angefangen bei den klassischen Eröffnungstheorien – (noch) überhaupt
keine Ahnung habe. So entschied ich mich spontan, Chess960 gegen den
Großmeister zu spielen. Wenn ich schon keine Ahnung habe, dann
wollte ich doch wenigstens den Großmeister ein wenig verwirren. Dass
dieses Vorhaben einem ziemlich sinnlosen Aufbegehren einer
erbarmungslos Unterlegenen entsprang, war mir zwar bewusst – aber
ganz kampflos wollte ich das Feld doch nicht räumen.
Am
nächsten Tag war es soweit. Nach dem erneuten Training wurden die
Tische in U-Form geschoben und die Bretter, Figuren und
Namenschilder aufgebaut. Alle Spieler nahmen Platz und der
Großmeister begrüßte jeden einzelnen mit Handschlag und einem
Glitzern in den Augen. Jussupow begann mit den „normalen“ Partien
(andere würden sagen: mit den nicht ausgewürfelten Chess960-Partieen
Nummer 518). Hier hatte er Weiß. An Stelle 26 saß ich mit der
Konstellation „Dame-Läufer-Läufer-Springer-Springer-Turm-König-Turm“
vor Augen und einem merklich steigenden Adrenalin-Spiegel. Da der GM
hier Schwarz hatte, musste ich als erste ziehen – und zwar
unverzüglich, nachdem er an mein Brett treten würde. Irgendwie
rechtzeitig sah ich noch, dass seine Dame und Läufer schon jetzt
latent meinen König bedrohten. Brett für Brett kam Jussupow näher.
Chaos herrschte in meinem Gehirn und mit jedem Zug, den er bei
meinen Vorgängern machte, konnte ich weniger logisch denken. Also
beschwor ich innerlich, auf mein Gefühl zu hören: Das sagte
„Springer e3“.
Um
es kurz zu machen: Ich glaube, anfangs habe ich gar nicht so
schlecht gespielt, so dass ich meine beiden Ziele für den Tag – fünf
Züge überleben und nicht als erste aufgeben – recht stolz erreichte.
Das Ende war dann wie erwartet gnadenlos. Fasziniert hat mich an
diesem Spiel vor allem, dass man förmlich spüren konnte, wie sich
Jussupow jedes Mal die Konstellation „unserer“ Partie bereits ins
Gedächtnis gerufen hatte, bevor er an „mein“ Brett trat – und das
bei 35 Partien ohne eine einzige zu verlieren! Hinzu kommt die
körperliche Leistung, stundenlang mit gebücktem Oberkörper im Kreis
zu gehen und sich nur manchmal, wenn er ausnahmsweise doch einmal
einige Sekunden (!) nachdenken musste, hinzuknien. Ich glaube, wer
das nicht erlebt hat, kann es sich nicht richtig vorstellen. Jemand
sagte nachher: „Das ist schließlich sein Job“. Dem muss ich
zustimmen und zugleich widersprechen: Dazu gehört viel mehr, und
zwar eine Fähigkeit, die ich mit meinem beschränkten Gehirn nur
erahnen, nie aber ganz begreifen werde. Ich bin wirklich froh, an
einem solchen Ereignis teilgenommen zu haben. Und ich habe auch
etwas gelernt: Spiele nie Chess960 gegen einen Großmeister. Denn
Jussupow verriet mir später am Abend während des Essens lächelnd
seine Strategie. Demnach würde er nicht nach den gängigen Strategien
spielen, sondern immer erst die Läufer entwickeln. „Und bei Chess960
denke ich einfach länger nach als bei normalem Schach. Da haben
Laien dann so gut wie gar keine Chance.“ [Daniela Klotz, 20.
September 2004] |
Die Vorbereitung. Selten hat man den
Vereinsvorstand und die vielen fleißigen Helfer so eifrig gesehen, als
die Vorbereitungsphase zur großen Jubiläumsveranstaltung als Hausaufgabe
anstand.
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Die Planung: Geir Smith-Meyer (links) und Roland Bettenbühl
kontrollieren die Checkliste |
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Fast generalstabsmäßig wurden Pläne geschmiedet, Check-Listen
ausgearbeitet und Aufgaben delegiert - bis auch die letzte Kleinigkeit
unter Dach und Fach war. Regelmäßig trafen sich die eifrigen
Heinzelmännchen zu ihren Besprechungen - glücklicherweise wurden während
der Sommerpause die Sitzungen kurzerhand ins "La Cucina" verlegt, so
daß man dort auch noch mit Speis und Trank verwöhnt werden konnte.
Der Start. Als dann die letzten großen und
kleinen Hiobsbotschaften so nach und nach eintrafen, mußte Roland
Bettenbühl und sein Team noch einmal alle Hebel in Bewegung setzen, um
die Teilnahme von Presse- und Medienvertretern sicherzustellen. Und
selbst bei den Repräsentanten der Schachverbände entpuppte sich der
Termin am 11. September als ein ungünstiges Datum, standen doch eine
Reihe von persönlichen Verpflichtungen mit der Jubiläumsveranstaltung in
Bad Soden in Konflikt. Doch schließlich wurde hinter den Kulissen an
den Strippen gezogen und alles wurde wieder ins Lot gebracht.
Das Training.
Pünktlich um 18:00 Uhr wurde die
Jubiläumsveranstaltung mit dem ersten Trainingsabend eingeleitet - über
50 Schachbegeisterte hatten sich in die Teilnehmer-Liste eingetragen.
Nach
den obligatorischen freundlichen Worten des Vorstands Roland Bettenbühl
übernahm GM Artur Jussupow, Gäste und Vereinsmitglieder in
das Trainingsprogramm einzuführen.
Wie vermeide ich grobe Patzer am
Brett? So lautete der erste Trainingspunkt. Und GM Artur Jussupow ließ
sich nicht zweimal bitten. Mit einem Beispiel aus einer Partie führte er
die Züge aus, wie sie im Torré-Angriff charakteristisch sind.
Anhand der sich nach wenigen Zügen ergebenden Position führte er
anschaulich aus, wann und wie Fehlkalkulationen gemacht werden könnten,
die dann zu den berühmt-berüchtigten Patzern führen würden.
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GM Artur Jussupow und Sohn Alexander |
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Doch nicht umsonst ist GM
Artur Jussupow auch einer der besten Schachtrainer und Pädagogen in
Deutschland, und so konnte er die vielfältigen Konsequenzen einer
Fehlkalkulation anhand wichtiger Varianten darstellen. Was sich für den
normal ambitionierten Vereinsspieler durchaus als "unbedenklich"
darstellte, entpuppte sich in der glasklaren Analyse von GM Artur
Jussupow Schritt für Schritt als Patzer-Problem - teilweise erst nach
mehreren Zügen. Den ersten Trainingsabend schloß er dann mit
einigen Beispielen ab, wie bei erheblichem Materialnachteil kluge
Schachspieler die Tücken der Position ausnützen und dem vermeintlichen
Sieger noch durch ein Patt entwischen können.
Die Russische Verteidigung. Selten ist eine
Theorie-Variante mit einer so verwirrenden Bezeichnung belegt worden wie
die schon im Mittelalter bekannte Zugfolge, die jedoch erst vom
russische Meister Petroff zu einem theoretisch fundierten aggressiven
Gegenangriff weiter entwickelt wurde.
GM Artur Jussupow, der zusätzlich
zu seiner umfassenden Schachpraxis auch mit einem klassischen
Theoriebuch "Die Russische Verteidigung" untermauert hatte, erläuterte
am zweiten Tag des Trainings diese Theorie.
Mit großer Sachkunde führte
GM Artur Jussupow die Trainingsteilnehmer durch die Hauptvarianten der
Russischen Verteidigung und deutete auf die Besonderheiten hin. In der
letzten Konsequenz eignet sich die Russische Verteidigung bei präzisem
Spiel sehr wohl als eine gute Waffe, insbesondere wenn der Gegner mit
den weißen Figuren nicht ausgiebig mit den Tücken der einzelnen
Varianten vertraut ist.
Die Pressekonferenz.
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Die Pressekonferenz: Hans-Walter Schmitt, GM Artur Jussupow,
Bürgermeister Norbert Altenkamp (von links). Foto: Heiko Hegner, Bad
Sodener Zeitung |
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"Schach ist
OK" - diese Überzeugung vertrat Hans-Walter Schmitt als Moderator
der Jubiläums-Pressekonferenz und machte anschließend aus seinem Herzen
keine Mördergrube:
"Es geht uns darum, das Schachspiel von einer Randsportart zu einer
Trendsportart zu entwickeln, und wir sind dabei auf dem besten Weg."
Als ortskundiger Weggefährte rechnete Schmitt genau vor, daß
Bürgermeister Altenkamp nur 521 Schritte von seinem Domizil zum
Vereinslokal des Schachclubs in der Hasselgrundhalle gehen müßte -
Grund genug, bei einer Lücke im prallen Terminkalender zu einer
Schachpartie vorbei zu kommen.
In vorderster Reihe standen Vertreter des Schachsports Rede und Antwort:
Dr. Friedrich Bittner (Pressewart), Rudolf Fellner
(Gründungs-Vorstand) Roland Bettenbühl (Vorstand), Hans-Walter Schmitt
(Moderator), GM Artur Jussupow, Norbert Altenkamp (Bürgermeister), Dr.
Wolfgang Gordon (Vorstand Schachverein Hofheim und Repräsentant des
Hessischen Schachverbands), Hans-Dieter Post (Chesstigers und
Repräsentant des MTS-Bezirks).
"Ich
schätze das Ambiente von Bad Soden sehr und komme immer wieder
gerne hierher."
(GM Artur Jussupow in der Pressekonferenz)
Die Geschichte.
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Leo Graf Tolstei: Schach als Entspannung von "Krieg und Frieden" |
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Insbesondere die Geschichte des Schachspiels in Bad Soden zeigt auf,
daß die Bäderstadt im Vordertaunus schon immer ein Mekka der Schachspieler
war.
Die zahlreichen russischen Kurbesucher nutzten durchaus das
Schachspiel zur Freizeitgestaltung. Unter ihnen war auch Leo Graf
Tolstoi, der die Bäderstadt im Jahre 1860 besuchte und in einer Villa
residierte, die in der typischen Bad Sodener Bäderarchitektur gebaut
war. Sie lag an der Königsteiner Straße direkt gegenüber dem
historischen Kurhaus, an dessen Lokalität sich heute das Ramada-Treff
Hotel befindet.
Im gleichen Jahr (1860) residierte ein anderes Genie des Geistes, der
Komponist Richard Wagner, in Bad Soden, als er nach Jahren seines Asyls
wieder deutschen Boden betrat. Als Richard Wagner sich während der
Leipziger Revolution 1849 politisch äußerte und die Ideale der
Jahrzehnte zurückliegenden Französischen Revolution (1789) publizistisch
in der Öffentlichkeit vertrat, wurde er von seinem Landesfürsten in
Sachsen mit
Acht und Bann belegt.
Richard Wagner entzog sich der drohenden Verhaftung und begab sich ins
Exil. Wenn Musikfreunde heute der nahezu überirdisch klingenden Ouvertüre
zu "Lohengrin" lauschen, erinnert sich kaum einer unter ihnen an
den politischen "Revoluzzer" in Wagners Vita und denkt schon gar nicht
daran, sich mit den politischen Ideen des Komponisten zu solidarisieren.
Hätte jedoch Richard Wagner im Exil auch Schach gespielt, wäre er
sicherlich in die geistige Ahnengalerie des genialen Schachweltmeisters
Bobby Fischer eingereiht worden, der in diesen Tagen in einer
Gefängniszelle in Tokio das Drama des Exils und den Kampf
gegen eine Auslieferung in die USA durchlebt.
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Musik-Genie Richard Wagner:
steckbrieflich gesucht |
Schach-Genie Bobby Fischer:
steckbrieflich gesucht |
Noch ist es ungewiß, ob eine von Hans-Walter Schmitt initiierte Aktion
"Free Bobby
Fischer" erfolgreich sein wird - auf alle Fälle hat Schmitt einen
klugen Schachzug gemacht, als er Bundesinnenminister Otto Schilly, auch
ein prominenter Schachspieler, die Bitte um Asylgewährung und ein Angebot unterbreitete,
das Bobby Fischer "Kost
und Logis" in Bad Soden garantierte.
Doch die Bad Sodener Bürger der Jahrhundertwende hatten kein
gesteigertes Interesse am Schach, sie hatten eher handfeste finanzielle Interessen im Auge und
wollten mit Salz Kohle machen. In der Folge konzentrierten sie sich auf
den Ausbau des Bäder- und Kurwesens in Bad Soden. Vielleicht wäre sonst
der Schachclub Bad Soden schon hundert Jahre früher gegründet worden.
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Der historische Zweikampf Bezirk 5 gegen 7 aus dem Jahre 1927.
Foto: mit freundlicher Genehmigung von Renate Niebling zur Verfügung
gestellt. |
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Eine zweite Gelegenheit
zur Vereinsgründung ließen die Bad Sodener nochmals verstreichen, als
1924 der Weltverband FIDE und ein Jahr danach in 1925 die
Main-Taunus-Schachvereinigung gegründet wurden. Der erste
Schach-Vergleichskampf folgte dann zwei Jahre später in 1927, als sich
57 Spieler des Bezirks 5 (Frankfurt) und die des Bezirks 7 (Main-Taunus)
zu einem Zweikampf im alten Kurhaus trafen - just am gleichen Ort, wo
heute das Ramada-Treff-Hotel in Bad Soden steht.. Alle Teilnehmer waren zeitgemäß nach der damaligen Mode in schwarze Anzüge und
Hemden gekleidet - so adrett präsentierten sich die Schachspieler der
Öffentlichkeit.
Die Gründung.
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Gründungsmitglieder | |
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Rudi Fellner | |
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Rudi Schäfer | |
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Werner Kraus |
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Kai-Uwe Tebbe |
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Ohne Foto: Michael Härtfelder, Gerhard Hochgesand,
Johannes Holland,
Ernst Kasperek,
Jürgen Mende, Georg Maurer,
Gerwin Pelka,
Christian Polydore,
Stefan Rimbach,
Tomas Rimbach,
Frank Schwörer und
Ute Wawrzyniak. |
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1979 war es dann endlich soweit. Eine Handvoll Schachbegeisterte
wollte keine weiteren Gelegenheiten verstreichen lassen und gründeten
kurzerhand den Schachclub Bad Soden: Rudolf Fellner,
Michael Härtfelder, Gerhard Hochgesand,
Johannes Holland,
Ernst Kasperek,
Werner Kraus,
Jürgen Mende, Georg Maurer,
Gerwin Pelka,
Christian Polydore,
Stefan Rimbach,
Tomas Rimbach,
Rudi Schäfer,
Frank Schwörer,
Kai-Uwe Tebbe und
Ute Wawrzyniak.
Das Glück der späten Gründung
können die damaligen Vorreiter noch heute genießen, treten doch einige
der Gründungsmitglieder immer noch in den Mannschaftskämpfen der MTS-Ligen an und schnuppern an den Vereins-Spielabenden immer wieder die
Luft des schweigsamen Gedanken-Zweikampfs an den 64 Feldern, die ihnen
vor 25 Jahren und auch heute noch die Welt bedeuteten.
Die Konkurrenz. Dr. Wolfgang
Gordon, Vorstand des Bundesliga-Nachbarn SV Hochheim und als Vertreter
des Hessischen Schachbundes anwesend, berichtete in seiner kurzen
Ansprache im Rahmen der Jubiläums-Pressekonferenz über den Mut der
Gründungsmitglieder.
Trotz stärkster Konkurrenz in den Nachbar-Gemeinden
Sulzbach, Eschborn, Steinbach, Liederbach, Kelsterbach, Höchst und Frankfurt-Zeilsheim mit bereits bestehenden Schachvereinen folgten die
Bad Sodener Gründungsväter ihrem Wunsch, einen eigenen Schachclub in der
Bäderstadt zu haben.
Noch konnte der schachliche Leistungsstand der Bad
Sodener Clubspieler nicht an den einiger Nachbar-Vereine angepasst
werden - dazu hing die Meßlatte einfach sehr hoch: Der Nachbar-Verein
SV-Hofheim spielt in der ersten Bundesliga mit.
Das Mekka. Herausragende schachliche
Ereignisse wie die Veranstaltung der Hessenmeisterschaft durch den
Schachclub Bad Soden im Jahr 1987 oder die Frankfurt Chess-Classic
2000 zeigten auf, dass Bad Soden eine Anzeihungskraft auf die
Schachgrößen von Nah und Fern ausübte, aber leider reichte dies noch
nicht für eine
Initialzündung schachliche Spitzenleistungen.
Das Simultan I. 1981 veranstaltete der
Schachclub Bad Soden ein viel beachtetes Simultan mit dem 73jährigen
Salo Flohr, der zwei Jahre später, am 18.7.1983 starb. Wer war Salo
Flohr? Weltmeister Botvinnik schreib über Salo Flohr: "In den 1930er
Jahren zitterten alle vor Salo Flohr".
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Salo Flohr bei einem Simultan in Opava (Czechien).
Foto: Sachovy klub TJ Slezan Opava |
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Salo Flohr bei einem Simultan in Bad
Soden 1981 |
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Seine Wiege stand in Horodenka (Polen/Ukraine). Salo Flohr (1908-
1983) verlor im ersten Weltkrieg die Eltern und kam 1916 nach Prag.
Eine Blindsimultan-vorstellung des deutschen Meisters Jacques Mieses
beeindruckte den Vierzehnjährigen derart, dass er beschloss, sich dem
Schach zu verschreiben.
Mit geistreichen Schachreportagen machte sich Flohr zuerst als Autor
einen Namen.
Doch Turniererfolge ließen nicht lange auf sich warten. Er siegte in
Prag (1930), Brünn (1931), Hastings (1932, 33, 34), Scheveningen (1933),
Moskau (1935), Podebrady und Margate (1936).
Flohr sekundierte Max Euwe
1935 beim WM-Sieg über Aljechin.
Nachdem dieser zwei Jahre später den
Titel zurückeroberte, wurde Flohr vom Weltschachbund FIDE zum
Herausforderer bestimmt, doch der Krieg verhinderte den Titelkampf.
(Quelle: Paul Werner Wagner, BerlinOnline)
Der Direktor
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Hans-Walter Schmitt beim Vereinsabend des Schachclub Bad Soden |
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Spitzenleistungen hat hingegen Turnier-Direktor Hans-Walter Schmitt
mit der Veranstaltung der "Frankfurt Chess Classic" erbracht, die
2000
im Ramada-Treff-Hotel als weltweit erstes und bisher einmaliges
TOP-10-Turnier der Schach-Weltelite stattfanden.
In einer weltweit
einzigartigen "Premiere der Top Ten" gelang es Hans-Walter Schmitt, die
Weltspitze an einen Tisch und an die Bretter zu bringen.
Das
Turnierhotel Ramada-Treff Hotel in Bad Soden bildete einen
hervorragenden Rahmen, um die Ausnahme-Könner aus nächster Nähe
beobachten zu können.
Garri Kasparow, Viswanathan Anand, Wladimir
Kramnik, Alexej Schirow, Alexander Morosewitsch, Peter Leko, Michael
Adams, Wassili Iwantschuk, Jewgeni Barejew und Wesselin Topalow gaben
sich in der Bäderstadt ein Stelldichein.
Die Heinzelmännchen. Hinter den Kulissen
arbeiteten eine Reihe von Vereinsmitgliedern intensiv, um diese
Jubiläumsveranstaltung zum Erfolg zu machen. Herzlichen Dank geht an
Roland Bettenbühl, Dr. Friedrich Bittner, Gerolf Dietz, Rudolf Fellner,
Geerti Frank, Kurt Fredershausen, Gerhard Kenk, Else Mangold, Dr,.
Gunnar Philipp, Dieter Ruppel, Rudi Schäfer, Stefan Schmieder,
Hans-Walter Schmitt, Geir Smith-Meyer, Kai-Uwe Tebbe und Horst Woywod.
Die Premiere.
Eine Neuerung hatten sich
die Planer des Jubiläums-Simultans dann insgeheim ausgeheckt. Anstatt
üblicherweise ein Simultan in der klassischen Schachaufstellung an
zahlreichen Brettern zu spielen, entschieden sich die Veranstalter,
gemeinsam mit GM Artur Jussupow ein gemischtes Simultan mit den Brettern
in der Klassischen Aufstellung als auch in der neuen Chess960-Variante
zu spielen. Nach den Prinzipien der Chess960-Spielweise wird die
Grundstellung der Figuren erst unmittelbar vor Partiebeginn ausgelost -
dadurch können beide Spieler keine wohlvorbereiteten Eröffnungen
spielen: Schachspass pur statt Theorie in Reinkultur.
Das Simultan II.
Am
Ende der einzigartigen Simultan-Exhibitin gab es folgendes
Schlussergebnis:
Gesamt: 31,5 : 3,5
Normal: 22,0 : 3,0 und
Chess960: 9,5 : 0,5
Der
10jährige Julien Leach hat bravourös remis
gehalten und hat in besserer Stellung (Bauern mehr) dem GM Artur
Jussupow remis angeboten, der es gerne angenommen hatte, aber auch die
Cleverness des jungen Turnierspielers Julien hervorhob:
„Es ist eine
große Kunst im richtigen Moment remis anzubieten und der Kleine hat
das perfekt gemacht, ich habe sehr gerne akzeptiert" erklärte Jussupow
später.
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Bürgermeister Norbert Altenkamp (links) und Vorstand Roland
Bettenbühl beim Chess960-Simultan Foto: Heiko Hegner, Bad Sodener
Zeitung |
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Bei
insgesamt 35 Partien hat Jussupow 28 gewonnen, 7 remis gespielt und
keine einzige verloren. Die Bad Sodener
Spitzenspieler Rödiger, Dr. Bittner und
Fellner haben mit starken Leistungen
remisiert.
Auch die zweite Reihe mit
Fredershausen und Ackermann konnten gut
gespielte Partien remisieren – der kleine
Julien Leach hat ebenfalls super gekämpft
und sehr gut gespielt.
Beim
Chess960 konnte der Vertreter des Hessischen Schachverbandes Hans-Dieter
Post ein remis erreichen – hier hatte sich Artur Jussupow zum Leidwesen
der neugierigen Spieler zu Beginn der Partien besonders
hereingekniet.
Die
Premiere 25 mal Normalschach gemischt mit weiteren 10 unterschiedlichen
Stellungen aus dem Chess960 Bereich zu spielen bedurfte einer besonderen
Energieleistung des 44-jährigen Großmeisters und Schachlehrers.
Er
wollte unbedingt ein gutes Ergebnis erreichen, damit in die Annalen
dieses Novums ein gutes Resultat eingetragen werden kann…
Der Unterschied.
Was macht eigentlich ein gemischtes Simultan mit klassischem Schach
und Chess960 mit den ausgelosten Startposition so einzigartig und
interessant?
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Glückauf: GM Artur Jussupow (links) mit Hans-Walter-Schmitt (rechts) |
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Innovative Schachspieler wählen Chess960, weil es dort ähnlich wie bei
einem Sumo-Ringkampf schon von der ersten Sekunde
an mächtig zur Sache geht.
Auch kann der Gegner nicht von seinem unermeßlichen theoretischen
Eröffnungsfundus profitieren, denn jede Ausgangsstellung ist wieder
anders.
Im klassischen Schach finden sich hingegen diejenigen Spieler zu
Hause, die in großer Hoffnung darauf bauen, mit den schwarzen Figuren
den Großmeister quasi kraft Zeitvorteil überspielen zu können.
Während
GM Jussupow jeder Stellung an den 26 Klassik-Brettern nur wenige
Sekunden zur Analyse widmen konnte und somit Schnellschach auf höchstem
Niveau praktizierte, blieben den Gegnern doch immerhin lange Minuten,
bis die Runde des Großmeisters fertig war und er wieder am eigenen Brett
stand.
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Das Gleichgewicht der Kräfte |
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Die Spielstärke.
Als GM Artur Jussupow am nächsten Tag beim gemeinsamen Frühstück
auf diesen Unterschied angesprochen wurde, meinte er verschmitzt
lächelnd, dass eigentlich der Chess960-Spieler gegen ihn einen
schwierigeren Stand hätte.
"Weil jede Position völlig neu und
ungewöhnlich ist, denke ich länger und intensiver über meinen nächsten
Zug nach - dabei hat der Chess960-Spieler (lächelnd) vielleicht
schlechtere Chancen."
Um so bemerkenswerter ist also das Remis zu
bewerten, das Hans-Dieter Post als Repräsentant des Hessischen
Schachverbands gegen GM Jussupow erzielte.
Die Begegnung.
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Bürgermeister Norbert Altenkamp (links) und GM vishy Anand (rechts) |
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Für Bürgermeister Norbert Altenkamp
war es schon die zweite Begegnung mit Schach innerhalb kürzester Zeit.
Nur wenige Wochen zuvor hatte er die Ehre, anlässlich eines Empfangs der
Punjabi International Society im indischen Maharani Restaurant einen Bad
Sodener Bürger zu ehren, der in Schachkreisen eine ungeahnte Popularität
hat, jedoch in der Badestadt zunächst nur den Schach-Insidern bekannt
ist: GM Vishy Anand, Sportler des Jahres in Indien und Serien-Gewinner
der Chess Classic Mainz, wohnt während seiner europäischen Turnier-Tour
in Bad Soden.
Und so war es für Bürgermeister Altenkamp ein nicht
alltägliches Novum, die Ansprache zu Ehren des Großmeisters auf englisch
zu halten. GM Vishy Anand hingegen hat seinen Aufenthalt in Bad Soden
auch genutzt, um fließend Deutsch zu lernen, so dass er jeden Small-Talk
mit Norbert Altenkamp und anderen Bad Sodener Bürgern problemlos auf
Deutsch gestalten kann. Altenkamps zweite Begegnung mit dem Schachspiel
führte ihn in diesem Wettstreit am Simultan-Brett gleich mit GM Artur
Jussupow gegen einen Weltspitzen-Spieler. Altenkamp zog sich in der
ungleichen Begegnung und der ungewohnten Chess960-Startposition achtbar
aus der Affäre und musste wie viele anderen Schachspieler erst nach
längerem Kampf sich dem Großmeister geschlagen geben.
Die Einzelergebnisse. Die
Endergebnisse des Simultans in der Einzelwertung. In der "klassischen"
Startformation spielten die Bretter 1 - 25. Die Position der Figuren an
den Brettern 26-35 wurden unmittelbar vor Spielbeginn ausgelost, waren
also den Spielern vorher nicht bekannt.
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Nr. |
Name |
Vorname |
DWZ |
Zeit |
Ergebnis |
Position |
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1 |
Rödiger |
Thomas |
1940 |
21:12 |
1/2:1/2 |
TSLDKLST |
|
2 |
Bittner |
Dr. Friedrich |
1934 |
21:25 |
1/2:1/2 |
TSLDKLST |
|
3 |
Fellner |
Rudolf |
1854 |
19:48 |
1/2:1/2 |
TSLDKLST |
|
4 |
Großjohann |
Daniel |
1844 |
19:47 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
5 |
Schöwer |
Torsten |
1837 |
21:12 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
6 |
Dietz |
Gerolf |
1794 |
21:05 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
7 |
Zöller |
Raimund |
1784 |
20:59 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
8 |
Kraus |
Werner |
1780 |
20:58 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
9 |
Hegner |
Peter |
1673 |
21:26 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
10 |
Götting |
Ulrich |
1650 |
21:21 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
11 |
Hannemann |
Christian |
1505 |
21:26 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
12 |
Petersen |
Christof |
1460 |
19:54 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
13 |
Ackermann |
Robert |
1433 |
21:26 |
1/2:1/2 |
TSLDKLST |
|
14 |
Leach |
Julien |
1335 |
20:18 |
1/2:1/2 |
TSLDKLST |
|
15 |
Meyer |
Stefan |
1320 |
21:10 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
16 |
Schmieder |
Stefan |
1285 |
20:02 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
17 |
Schäfer |
Rudi |
1276 |
20:49 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
18 |
Ruppel |
Dieter |
1270 |
20:02 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
19 |
Fredershausen |
Kurt |
1248 |
19:52 |
1/2:1/2 |
TSLDKLST |
|
20 |
Merz-Zönnchen |
Rolf |
1203 |
19:24 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
21 |
Malinowski |
Klaus |
1203 |
20:38 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
22 |
Mangold |
Else |
1193 |
21:14 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
23 |
Leach |
Christoph |
1036 |
19:41 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
24 |
Schmakowski |
Oliver |
1029 |
20:59 |
1:0 |
TSLDKLST |
|
25 |
Hoss |
Michael |
889 |
20:10 |
1:0 |
22 : 3 |
|
26 |
Klotz |
Daniela |
|
20:43 |
0:1 |
DLLSSTKT |
|
27 |
Spreng |
Sebastian |
1156 |
19:25 |
0:1 |
LDSTSKTL |
|
28 |
Lintchuk |
Dimitrij |
995 |
20:08 |
0:1 |
LSTLSKTD |
|
29 |
Meisgeier |
Sven |
1639 |
20:48 |
0:1 |
SDTKLLST |
|
30 |
Philipp |
Dr. Gunnar |
1935 |
19:05 |
0:1 |
STKDLSTL |
|
31 |
Smith-Meyer |
Geir |
1718 |
21:23 |
0:1 |
STLKSLTD |
|
32 |
Kenk |
Gerhard |
1417 |
20:48 |
0:1 |
STKTDSLL |
|
33 |
Post |
Hans-Dieter |
1809 |
19:20 |
1/2:1/2 |
LLTSSDKT |
|
34 |
Bettenbühl |
Roland |
1560 |
20:47 |
0:1 |
TLSSLKDT |
|
35 |
Altenkamp |
Norbert |
|
19:19 |
0:1 |
TSKLLDST |
|
|
|
|
1485 |
|
31,5 : 3,5 |
9,5 : 0,5 |
Das Echo. In der Presse fand das Jubiläum des
Schachclubs natürlich auch eine Resonanz, der schnellste "rasende
Reporter" war Olaf Zimmermann mit seinem Bericht "Kleine Denker am
Brett", der in der Franfurter Rundschau sowohl in der Printausgabe als
auch in der Online-Zeitung gleich am Montag morgen (13.9.2004) veröffentlicht wurde.
Er schreibt:

Kleine Denker am Brett
Bad Sodener Schachclub feiert 25-jähriges Bestehen /
Simultanturnier mit russischem Großmeister Artur Jussupow
u seinem 25. Vereinsjubiläum hat der Bad Sodener Schachclub
seinen Nachwuchsspielern ein besonderes Erlebnis beschert: Mit
Artur Jussupow trat am Wochenende ein Schachgroßmeister ans Brett,
um sich im Simultanturnier mit 35 heimischen Schachspielern
gleichzeitig zu messen.
VON OLAF ZIMMERMANN
Bad Soden · 12. September · Schachspieler gelten als ruhige,
grübelnde Denker. Doch das ist natürlich ein Vorurteil. Zwar wird
am Samstag im Bethmann-Saal des Ramada-Hotels nur im Flüsterton
gesprochen, während der russische Schach-Großmeister Artur
Jussupow gegen 35 heimische Schachspieler antritt. Doch
grüblerische Ruhe herrscht nicht. Immer wieder verlassen Spieler
den Saal, nehmen sich eine Auszeit, um rechtzeitig wieder da zu
sein, wenn der Großmeister ihren Platz erreicht.
Mit dem Simultanturnier setzt der Verein erneut ein Novum in der
Schachwelt. Denn nicht nur klassische Partien werden am Samstag
ausgetragen, sondern auch zehn Partien nach den Regeln des so
genannten Chess 960 - ein System, das der legendäre
Schachweltmeister Bobby Fischer austüftelte. Dabei werden die
Positionen der Offiziere hinter der Bauernreihe nach einem
Zufallsprinzip ausgelost - und damit alle Schachtheorie über
Eröffnungsstrategien über den Haufen geworfen.
"Da muss man improvisieren", sagt Hans-Walter Schmitt, seit Jahren
als Organisator der Chess Classic eine Größe im Turniergeschäft.
Einmal, im Jahr 2000, machte das internationale Turnier Station in
Bad Soden und sorgte dort für Schlagzeilen: Erstmals, sagt
Schmitt, sei es damals gelungen die zehn besten Weltrangspieler in
einem Turnier zu vereinen.
Hohe Zuwachsraten
Doch internationale Schützenhilfe braucht der Verein im Grunde
nicht, auch wenn er sich sportlich noch nicht mit den Erfolgen der
Bundesliga-Kollegen aus Hofheim vergleichen kann. Der Bad Sodener
Schachclub glänzt durch Nachwuchsarbeit. Seit vier Jahren ist der
Club der am schnellsten wachsende Schachclub Deutschlands. 80 der
120 Spieler sind jünger als 18 Jahre. "Eine Erfolgsstory", freut
sich Bürgermeister Norbert Altenkamp (CDU), auch im Vergleich zu
anderen Sportvereinen der Stadt habe der Schachclub die höchsten
Zuwachsraten. Schon macht das Wort von der Trendsportart die
Runde. Das Geheimnis des Erfolgs hat Vorsitzender Roland
Bettenbühl entdeckt. Mit Plakaten warb er an den Schulen und
weckte sofort Neugierde. Dass die nicht verebbt, dafür sorgt der
Nachwuchs selbst: "Ich lasse die Jugendlichen viel gegeneinander
spielen", sagt Bettenbühl. Besonders die Jungs würden sich gern
miteinander messen.
Noch lieber tun sie das gegen eine Großmeister wie Artur Jussupow,
einst Anwärter auf die Schachkrone, Bundesligaspieler und vor
allem Schachdidakt. Auch der 13-jährige Christof Petersen und der
zehnjährige Julien Leach sind mit von der Partie. Ruhig und
gelassen setzt sich der Zehnjährige ans Brett und zwirbelt vom
ersten Zug an gedankenversunken an seinen Haarspitzen. "Na ja,
ausgeglichen", sagt er nach ein paar Zügen. Christof plagt
hingegen bereits ein dickes Problem: Seine Dame hat sich zwischen
gegnerischem Läufer und Pferd verfangen, ein Kugelschreiber
zwischen den Fingerspitzen muss für Inspiration sorgen. Doch es
kommt ganz dicke: Schon nach dem achten Zug ist die Dame futsch
und damit auch seine Verteidiungsstrategie. "Ich fühl' mich
ordentlich klein gemacht", sagt der 13-Jährige und ändert die
Taktik: "Nur nicht als erster im Turnier Matt gehen", sagt er.
Das gelingt auch Bürgermeister Norbert Altenkamp. Er hatte sich
mit dem Chess 960 gemüht und erntet Lob von allen Seiten für sein
Durchhaltevermögen. Der zehnjährige Julien, der im Verein als
Nachwuchshoffnung gilt, macht seinem Talent alle Ehre. Während
andere Spieler schon Mühe haben, sich des Schachs zu erwehren, hat
er die Partie geschickt verzögert. "Es ist noch nicht richtig
losgegangen", sagt Julien knapp und "Ich will das Spiel möglichst
lange hinausziehen." Das gelingt dem Zehnjährigen, auch wenn ihm
die Zeit nach zwei Stunden zunehmend lang wird. Immer wieder steht
er auf, schlendert zum Fenster und schaut auch mal bei seinem
Großvater vorbei, wie es um dessen Partie steht. Am Ende hat die
ruhige Art des Jungen Erfolg: Er ist einer der wenigen, die dem
Großmeister am Ende ein Remis abtrotzen.
Quelle/URL:
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/frankfurt_und_hessen/lokal_rundschau/maintaunus/wiesbaden/?cnt=503457
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Printausgabe vom 15.09.2004

Der Schachclub feierte sein 25-jähriges Bestehen
im Ramada-Treff-Hotel
Der kleine Julian holte ein Remis
Bad Soden. Dynamisch und sympathisch – so präsentiert sich
der Bad Sodener Schachclub in der Öffentlichkeit. Vor 25 Jahren
wurde der Verein gegründet, dem manche keine lange
Überlebenschance gaben. Die Skeptiker haben sich getäuscht: Der
Schachclub hat sich in Bad Soden etabliert und bietet eine
engagierte Jugendarbeit. Grund genug also, um das 25-jährige
Bestehen im Ramada-Treff-Hotel zu feiern.
Mit der Verpflichtung von Großmeister Artur Jussupow machten die
Schächer einen sehr guten Griff. Zum einen bot der einst zur
Weltspitze zählende Großmeister am Freitagabend einen
Trainingsabend an – auch über die russische Verteidigung –, zum
anderen stellte er sich am Samstagnachmittag bei einem
Simultan-Turnier insgesamt 35 Gegnern. Ein Novum war dabei, dass
Jussupow und seine Gegner an 25 Brettern klassisches Schach
spielten, an den restlichen Brettern war dann das von Bobby
Fischer propagierte Chess 960 angesagt. Nur einer, Hans-Dieter
Post, konnte bei Chess 960 dem Großmeister ein Remis abknöpfen.
Beim klassischen Schach musste Jussupow in sechs Unentschieden
einwilligen. Übrigens hat ein Bad Sodener für die Verbreitung von
Chess 960 gesorgt: Hans Walter Schmitt. Der Organisator der
Chess-Classic-Tage in Mainz, selbst Mitglied im Bad Sodener
Schachclub, übernahm die Moderation bei einer Pressekonferenz.
Zurück zum Jubiläum: Am 22. Juni 1979 gründeten Rudolf Fellner,
Michael Härtfelder, Gerhard Hochgesand, Johannes Holland, Ernst
Kasperek, Werner Kraus, Jürgen Mende, Georg Maurer, Gerwin Pelka,
Christian Polydore, Stefan Rimbach, Tomas Rimbach, Rudi Schäfer,
Frank Schwörer, Kai-Uwe Tebbe und Ute Wawrzyniak den Bad Sodener
Schachclub. Weil es im Kreisgebiet schon etliche Schachvereine
gab, sagten viele «Insider» dem neuen Bad Sodener Verein keine
lange Zukunft voraus. Sie täuschten sich alle.
So richtete der Bad Sodener Schachclub bereits im Jahr 1987 die
Hessenmeisterschaften aus. Der damalige russische Spitzenspieler
Salo Flohr wurde einige Jahre zuvor, 1981, für ein
Simultan-Turnier in der Kurstadt verpflichtet, und Hans-Walter
Schmitt lockte im Jahr 2000 die besten Schachspieler der Welt zu
einem Turnier nach Bad Soden. Der heutige Vorsitzende Roland
Bettenbühl ist natürlich froh über das Engagement der damaligen
Führungsmannschaft. Doch ein Schachverein braucht nun einmal auch
Nachwuchsspieler, sonst droht der Stillstand im Vereinsleben. «Wir
haben die Werbung intensiviert. Mit Plakataktionen in den Schulen
und Kindergärten und der Teilnahme an den Neubürgerempfängen haben
wir auf unseren Club aufmerksam gemacht», erläutert Bettenbühl.
Der Aufwand hat sich gelohnt, heute sind 60 Prozent der Mitglieder
Jugendliche. Dazu ist der Bad Sodener Schachclub mit nun aktuell
120 Personen einer der mitgliederstärksten Vereine in Hessen. Für
Roland Bettenbühl ist klar, dass das Schachspiel kein
Schattendasein als Randsportart verbringen kann. Im Gegenteil. «Es
ist zur Trendsportart geworden», meint der Schachclub-Chef, der
noch ein gewichtiges Argument vorbringt: «Jeder kann gegen jeden
spielen.» So sorge das Schachspiel auch für Integration. In Bad
Soden ist diese Ansicht auf jeden Fall vertretbar.
Nachwuchshoffnungen wie Julian Leach (10), der Jussupow beim
Simultan ein Remis abknöpfte, geben dem Vorsitzenden recht. Bei
seiner Arbeit kann er sich auf ein eingespieltes Team verlassen.
Dazu gehören unter anderem auch der Verantwortliche für den
Internetauftritt des Vereins, Gerhard Kenk, Jugendwart Michael
Hoss sowie Pressewart Dr. Friedrich Bittner. Doch noch viele
weitere Mitglieder arbeiten ehrenamtlich für den Verein. Bei den
Vorbereitungen für das Jubiläum hat beispielsweise Geerti Frank
einen Großteil der Arbeiten übernommen. Viel Organisationstalent
erfordert der Spielbetrieb für die insgesamt zehn Mannschaften,
die der Bad Sodener Schachclub zu den Verbandsrunden gemeldet hat.
Die Erste Mannschaft spielt seit einigen Jahren in der
Main-Taunus-Liga und möchte gerne den Aufstieg in die Landesliga
packen. (meh)
|
Die Bad Sodner Zeitung schreib am
15. September 2004:
25 Jahre Schach-Club Bad Soden - Simultan mit 35
Partien
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Der jüngste Teilnehmer Christoph Leach (8). Foto: Heiko Hegner |
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Etwas ganz Besonderes hatte sich der Schachclub Bad Soden mit
seinem 1. Vorsitzenden Roland Bettenbühl zum 25-jährigen Bestehen
ausgedacht - ein Simultan-Turnier mit dem deutschen
Schachgr0ßmeister und Nr. 1 der deutschen Nationalmannschaft, Artur
Jussupow.
35 Partien spielte der deutsche Großmeister gegen eine gemischte
Runde aus Jung und Alt. Der jüngste Teilnehmer, Christoph Leach
(8Jahre), war genau 70 Jahre jünger als der älteste, Dr. Friedrich
Bittner. 25 Partien wurden nach der traditionellen Aufstellung
ausgetragen und zehn nach der neuen Chess960-Random-Methode (die BSZ
berichtete).
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Der älteste Teilnehmer: Dr. Bittner (78). Foto Heiko Hegner |
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Bürgermeister Altenkamp eröffnete als Schirmherr mit der
Aufstellung 543 und hielt sich bis zu seinem Termin bedingten
Ausscheiden recht wacker. Der erst zehn Jahre alte Julian Leach
erreichte ein beachtliches Unentschieden. Insgesamt gewann Jussupow
28 von 35 Partien und spielte sieben mal remis - darunter gegen die
Sodener Spitzenspieler Rödiger, Dr. Bittner und Fellner.
Der Schachclub ist der zur Zeit am stärksten wachsende Verein in
Bad Soden. 120 Mitglieder zählt er und ist damit auch der größte
Club in Hessen. Dabei kann er auf eine lange Tradition über die 25
Jahre hinausblicken. Bereits 1925 fand im Saal des damaligen
Kurhauses das 1. Schachturnier zwischen Frankfurt und Bad Soden
statt. Und im Jahre 2000 wurde in Bad Soden an gleicher Stelle das
einzige Top-Ten-Turnier der Geschichte mit zehn Großmeistern [der
kompletten] Weltspitze gespielt. H.H. |
[15.9.2004]
Catenaccio verkehrt oder wie ein Italiener die Russische Verteidigung knackt. Schon
der Italiener Giacomo Greco wurde im Schachspiel mit den tückischen
Varianten der russischen Verteidigung konfrontiert - wie die
nachstehende Partie aus dem Jahr 1620 (!) darlegt.
Doch gegen den anonymen Spieler mit den Schwarzen Steinen
demonstrierte Greco schon äusserst moderne Prinzipien des Schachspiels:
Eröffnungskampf um die Beherrschung des Zentrums, Fesselung von Figuren,
Abwehr eines Figurenangriffs durch Gegenangriff auf eine höherwertige
Figur, Angebot eines Figurenopfers in Verbindung mit der Drohung eines
Doppelangriffs auf Dame und König.
Es dauerte noch 300 Jahre, bis ein Wegbereiter des modernen Schachs,
Aaron Nimzowitsch, in seinem auch von GM Artur Jussupow geliebten Buch
"Mein System" 1925 über den positionellen Kampf vulgo die langsame
Belagerung der ungedeckten Basis schrieb: "Man suche den Druck gegen die
Basis so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, zum mindestens aber bis
zum Entstehen neuer Schwächen im gegnerischen Lager. Hernach wird der
Kampfplan modifiziert: die ursprüngliche Schwäche wird freigegeben, die
neue mit größter Energie angegriffen!".
Heute bietet die Russische Verteidigung eher die Möglichkeiten eines
aggressiven frühen Gegenangriffs auf den weißen Zentrumsbauern e4. So
bezeichnet GM Artur Jussupow in seinem Klassiker "Die Russische
Verteidigung" (Zürich 1999) einige besonders spannende Abspiele: "Das
Cochrane-Gambit läßt die Herzen all derer höher schlagen, die einen
Adrenalin-Stoß gut vertragen. Für die geopferte Figur erhält Weiß zwei
Bauern und erlangt die Initiative. Seine Popularität verdankt dieses
System den emsigen Bemühungen des lettischen Meisters Witolinsch.
Allerdings ist dieses Gambit meiner Ansicht nach nur zu 90% korrekt;
gegen starke Defensivspieler sollte man es lieber nicht ausprobieren."
From Russia with
Love... Schon Filmheld James Bond musste schmerzhaft
feststellen, daß "Liebesgrüsse aus Moskau" nicht immer ihr Versprechen
halten.
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Jussupow Palast, St. Petersburg |
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So vermittelt auch das Image der russischen Adelsfamilie Jussupow mit
einem Prunkpalast an der St. Petersburger Mojka unermesslichen Reichtum
und Pracht, doch mit diesem Palast sind auch dunkle Seiten aus der
Geschichte Russlands verbunden. Denn in den Untergeschoss-Räumen das
Palasts fand der Wunderheiler und Zarenberater Rasputin ein unheilvolles
Ende.
Rasputin, der "Heilige Mönch" aus Sibirien, kam 1907 an den Hof nach Sankt-Petersburg, um den einzigen Sohn der Zarenfamilie Alexej, der an
einer unheilbaren Blutkrankheit litt, zu helfen. Rasputin half dem
Jungen, auch wenn er die Krankheit nicht heilen konnte. Durch seine
Fähigkeiten der Prophezeiung gewann er zunehmend mehr Einfluss auf die
Zarenfamilie. Alexandra Fjödorowna, die Ehefrau des Zaren Nikolaus II., stand
unter seinem Einfluß und war ihm mystisch verfallen.
Zar Nikolaus II war auch ein Promoter des Schachs. Der Titel eines
Großmeisters wurde von ihm nach einem Turnier in St. Petersburg
verliehen. Der Titel
Großmeister wurde informell bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts
verwendet. Allgemein als Großmeister anerkannt wurden erstmals die fünf
Preisträger des stark besetzten Turniers in Sankt Petersburg 1914:
Emanuel Lasker, José Raúl Capablanca, Siegbert Tarrasch, Alexander
Aljechin und Frank Marshall.
Zurück zu Rasputin. Während Zar Nikolaus II. an der Front war, unterstützte er die Zarin mit
fraglichen Voraussagen, um seine eigenen Interessen zu vertreten und
schadete ihren Ruf. Tatsächlich sagte Rasputin den 1. Weltkrieg voraus.
Am 17 Dez. 1916
wird Rasputin von Angestellten der Zarenfamilie, Fürst Felix Jussupow
und seinen Anhängern ermordet. Nur war es gar nicht so leicht, seinen
Tod herbeizuführen.
Zunächst reichte man Rasputin mit Zyankali vergifteten Kuchen, den er
genußvoll verzehrte, ohne daß die gewünschte Wirkung eintrat (der Zucker
neutralisierte das Gift teilweise). Die Verschwörer schossen danach
auf Rasputin und als er immer noch nicht sterben wollte, warf
man ihn schließlich in ein Eisloch eines Nebenkanals der Mojka, wo er
schliesslich unter dem Eis ertrank.
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GM Artur Jussupow beim Ordix Open, Chess Classic Mainz. Foto: News
in Chess |
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Obwohl die Strömung des Flusses Richtung Meer treibt, fand man seine
Leiche flussaufwärts an der Krestowski-Insel.
Wenige Tage vor seinem Tod hatte Rasputin prophezeit, dass nach
seiner Ermordung alle Familienangehörigen der Romanows eines gewaltsamen
Todes sterben würden. Eine Weissagung, die sich schnell bewahrheiten
sollte.
Ähnlich dramatisch, aber mit einem glücklicheren Ende, erging es GM
Artur Jussupow.
Viele Jahre gehörte der Juniorenweltmeister von 1977 zur Weltspitze
im Schach. Zehn Jahre nach dem Gewinn der Juniorenweltmeisterschaft
erreichte 1987 ein anderer Jung-Star diese Auszeichnung, als der Inder
Vishy Anand den Titel holte. Aber das ist eine andere Geschichte.
Jussupow war in den 1990er Jahren ein heißer Anwärter für die
WM-Kandidaten-Qualifikation (damals wurden von der FIDE noch regelmässig
und geordnet Ausscheidungskämpfe zur Qualifikation des
WM-Herausforderers organisiert). Im Jahre 1991 traf er in Brüssel im
WM-Kandidaten-Viertelfinale auf den Ukrainer Wassili Iwantschuk. Der
Zweikampf musste in einer Tiebreak-Partie mit 60 Minuten Bedenkzeit
entschieden werden. In dieser Partie spielte Iwantschuk am Damenflügel
konsequent auf Angriff und damit auf Sieg. Doch nach dem 22. Zug von
Weiss zog Schwarz seine Dame auf h5 - in den blauen Augen von GM
Artur Jussupow blitzte der Killer-Instinkt des russischen Bären auf. Wie dieses Match ausging?
Spielen Sie >>>hier
diese denkwürdige Partie nach.
From Russia with Love... Doch Abseits vom Schachbrett nahmen Artur Jussupows Leben und Schachkarriere
einen dramatischen Verlauf: Als Jussupow 1990 bei einem Raubüberfall in seiner Moskauer Wohnung
niedergeschossen wurde, trat er nach seiner Genesung den Weg in den
Westen an. 1991 kam er im Rahmen eines Engagements bei Bayern München
nach Deutschland und machte sich daraufhin in Süddeutschland seßhaft.
Heute spielt er in der Schach-Bundesliga für die SG 1868 Aljechin
Solingen, seine Frau Nadia im heimischen SK Krumbach (Bezirk
Mittelschwaben) und auch die Kinder Alexander und Ekaterina treten in
die Fußstapfen des berühmten Vaters und spielten zuletzt bei den Chess
Classic Mainz 2004 mit, wo die 13-jährige Ekaterina wie schon im Vorjahr
einen Jugendpreis gewann.
Premiere mit GM Artur
Jussupow
Wenn GM Artur Jussupow im Rahmen der 25jährigen Jubiläumsveranstaltung
am 11. September 2004
zur grossen Simultan-Exhibition im Ramada Treff Hotel in Bad Soden
antritt, können sich die Schachfreunde auf eine Premiere im Schach freuen.
Erstmals wird in einer Simultan-Veranstaltung an 35 Brettern sowohl nach den
klassischen Schachregeln als auch gleichzeitig nach den Regeln des
Chess960 gespielt.
Die Spieler mit den schwarzen Figuren beginnen hierbei
mit der "klassischen" Aufstellung der Figuren auf der Grundlinie, die
Chess960-Spieler mit den weißen Figuren losen kurz vor Partiebeginn die
Startstellung aus. GM Artur Jussupow spielt also an den Brettern der
Simultan-Exhibition abwechselnd "klassisch"
und "Chess960".
Während sich die Anhänger des klassischen Schachs auf den
ausgefahrenen Wegen der hinlänglich bekannten Eröffnungstheorie bewegen,
können andererseits die Chess960-Spieler schon vor dem ersten Zug sich mit der neu
ausgeloste Grundstellung der Figuren auf eine Kreativitäts-Wanderung
freuen: Vorbei sind die bekannten Muster der Sizilianischen
Drachenvariante, der Petroff-Verteidigung oder des Wolga-Gambits. Und
so müssen Chess960-Spieler vielleicht auch Abschied von ihrer
Lieblingseröffnung wie dem London-Collé System nehmen und von Anfang an
die Grundprinzipien des Schachs verwirklichen.
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Chess960: mit Würfel wird die Grundstellung der Figuren ausgelost |
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Doch im weiteren Verlauf der Chess960-Partie gleichen sich die
Herausforderungen aus der jeweiligen Position immer mehr den klassischen
Schachprinzipien an. Nach der Rochade befindet sich der König in der
bekannten Position auf c1 oder g1 mit dem jeweiligen Turm an seiner
Seite wieder - und ein Turm- oder Bauern-Endspiel wird nach den gleichen
Prinzipien wie im klassischen Schach zum erfolgreichen Ende geführt.
Das Simultan mit GM Artur Jussupow bietet für Zuschauer eine
willkommene Gelegenheit, einen der Spitzenspieler in Deutschland in
Aktion zu sehen. Auch der Partieverlauf einer klassischen Eröffnung im
Vergleich zur eher improvisierten Eröffnung in Chess960 wird für
Zuschauer und Spielteilnehmer reizvoll sein.
Die Simultan-Exhibition beginnt am 11. September um 16:00 Uhr im
Ramada Treff Hotel in Bad Soden. Und ab 20:30 Uhr können Freunde des
Schachverein Bad Soden am Jubiläums-Dinner teilnehmen (Anmeldung
erforderlich - Kostenbeitrag Euro 22.- pro Person).
Der Trainer: Jussupow
Schachakademie.
Und wer an Chess960 Gefallen gefunden hat, kann wenige Wochen später
diese Spielweise beim grossen Jubiläumsturnier von Frankfurt-West
ausprobieren: vom 29. bis 31. Oktober findet das
Chess960-Jubiläums-Open des SC Frankfurt-West
www.frankfurt-west.de
statt.[29.8.2004]
Zum Jubiläumsauftakt:
Giuoco Piano oder die Italienische Partie.
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Ristorante La Cucina in Bad Soden |
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Wer kennt nicht wie
jeder Schach-Novize das Spiel lernt?
Die Grundregeln der Schacheröffnungen werden Anfängern nahezu
ausnahmslos anhand der ersten Züge 1. e4 e5 sowie 2. Sf3 Sc6 und 3.
Lc4 Lc5 anschaulich erläutert.
Diese Eröffnung ist eine der ältesten
Varianten und wurde schon im Jahr 1490 im Göttinger Manuscript sowie von
Damiano 1512 und Greco in 1600 erwähnt.
Im Gegensatz zur Bezeichnung "Giuoco Piano" oder "ruhige Partie"
entpuppt sich diese Variante als ausserordentlich dynamisch und komplex.
Eine "ruhige Partie" der etwas anderen Variante haben die Schachspieler
aus Bad Soden anlässlich des ersten Trainingsabends mit GM Artur
Jussupow geplant.
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Schon lange her: Rap-Sängerin Sabrina Setlur und Tennis-Star Boris
Becker flüstern über die Geheimnisse der Italienischen Eröffnung. |
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Nach der Theorie lassen die Teilnehmer den Trainingsabend bei einem
gemeinsamen Abendessen mit einer "Italienischen Partie" im Ristorante "La
Cucina" in Bad Soden, Ecke Alleestrasse und Brunnenstrasse unweit der
Hasselgrundhalle am Freitag, den 10. September ab 21:30 Uhr ausklingen.
Wenn auch die Turtel-Touren
des Tennis-Titanen und TV-Talkmasters Boris Becker mit der
Sängerin Sabrina Setlur in der intim-schummrigen Bar des "La Cucina"
mittlerweile der Vergangenheit angehören, stehen die italienischen
Spezialitäten, die von Chef Mario Bello und seinem Team serviert werden,
im Vordergrund. [29.8.2004]
Zwei Spieler vom Schachclub
Bad Soden erstmals auf der neuen Weltrangliste der WNCA.
Als Geir Smith-Meyer und Dimitrij Lintchuk
bei den Chess Classic Mainz 2004 am FiNet-Open, einem
Schnellschachturnier nach den Chess960-Regeln, teilnahmen, ahnten sie
vielleicht nicht, daß ihre Namen bald in einer Weltrangliste auftauchen
würden.
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Chess960:
Neue Weltrangliste jetzt verfügbar |
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Doch die Teilnahme am FiNet-Open bei Chess Classic Mainz 2004
bescherte den beiden nicht nur erste Turniererfahrung und Punkte im
Chess960, sondern sie schafften es auch auf die Weltrangliste der WNCA
(World New Chess Association).
Dimitrij Lintchuk plazierte sich auf Rang
385, Geir Smith-Meyer wird seit August 2004 nun auf Rang 344 geführt.
[28.8.2004]
>>>die
Weltrangliste der WNCA
>>>Fischer Random
Chess spielen
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Die Fischer Random Chess
Regeln im Überblick:
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Fischer Random Chess (FRC) ist Bobby Fischers neue und verbesserte
Variante des Shuffle Chess. Bevor die Partie anfängt, werden die Bauern
auf beiden Seiten wie im klassischen Schach auf der 2. und 7. Reihe
aufgestellt.
Während alle Figuren wie gewohnt ziehen und die Bauern auf der
zweiten Reihe bleiben, werden die Positionen der Offiziere ausgelost.
Dabei gibt es einige Regeln, die zum Beispiel garantieren, dass jeder
einen weiß- und einen schwarzfeldrigen Läufer bekommt. Um die
Chancengleichheit beider Seiten zu wahren, erhält Schwarz die
spiegelbildliche Grundstellung. Außerdem ist es wichtig , dass ein Turm
links vom König steht und der andere Turm sich auf der rechten Seite des
Königs befindet. Bei der Auslosung der Grundstellung gibt es 960
verschiedene mögliche Anordnungen.
Eine wichtige Nuance, die FRC vom Shuffle Chess unterscheidet, ist
das Rochade-Recht. Weil nicht weniger als 960 Grundstellungen möglich
sind, wurde das Rochade-Recht angepasst und erweitert. (Eric van Reem) |
Besondere Jubiläums-Glückwünsche erhielten wir von einem in
Schachkreisen bekannten Bad Sodener: